Gedanken und Gefühlen auf die Spur gekommen

Eine Wasserflasche füllt ein Glas mit Wasser.
Pfarrerinnen und Pfarrer aus Herne nutzten das Kloster Volkenroda (im Hintergrund die Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert mit Anbau) für Einkehr und gemeinsames Nachdenken. FOTO: WOLFGANG HENKE

VOLKENRODA – Vom 14. bis 17. Mai waren Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Kirchenkreis Herne unterwegs. Ziel der gemeinsamen Tage mit Superintendent Reiner Rimkus war das Kloster Volkenroda in Thüringen. Hier nahmen die Theologinnen und Theologen am Klosterleben teil, besuchten Mühlhausen, die Stadt, in der der von Thomas Müntzer initiierte Bauernaufstand im Jahr 1525 blutig niedergeschlagen wurde, ließen sich in die Kunst des Pilgerns einführen und arbeiteten daneben an der Frage, wie das Evangelium in der sich säkularisierenden Gesellschaft zeitgemäß verkündigt werden kann.

Die Tage waren strukturiert durch eine Abendmahlsfeier am Morgen sowie Mittags- und Abendgebet. Nach einer Klosterführung durch Pfarrer Dr. Albrecht Schödl referierte

Pfarrer Michael Brandt am ersten Abend über die Täuferbewegung, der auch der Reformator Thomas Müntzer angehört hatte. Die Informationen wurden – nach einer intensiven Bibelarbeit am Vormittag – vertieft durch den Besuch einer Ausstellung in Mühlhausen. Hier ging es neben den Ereignissen rund um die Schlacht um die Rolle Martin Luthers, der die Fürsten zu einem kompromisslosen Eingreifen gegen die Aufständischen aufgefordert hatte.

Am Abend berichtete Pfarrer Arno Wittekind über seine Arbeit an einem Buch, das er kurz zuvor fertiggestellt hatte. Hier zeigt er, dass Exoduserzählung und Zehn Gebote der Kirche in einer Zeit des äußeren Rückbaus Wegweisendes für geistliche Aufbrüche und gottesdienstliche Erneuerung zu sagen haben. Wittekinds Buch soll Gemeinden ermöglichen, ihren Weg des Umbaus biblisch-theologisch fundiert im Hören auf einen biblischen Zusammenhang zu gehen.

Nach einer Textarbeit am Mittwoch führte Schwester Johanna den Pfarrkonvent ins Pilgern ein. Dazu machte sich die Gruppe schweigend auf einen Weg durch die Natur, um den eigenen Gedanken und Gefühlen ohne Ablenkung auf die Spur kommen zu können. „Wer von Berufs wegen immer für andere da sein muss, kann sich selbst leicht verlieren“, sagte Schwester Johanna, die im Kloster Volkenroda Pilgergruppen begleitet. Am letzten Abend ging es dann in den Weinkeller, wo Pfarrer Eckhard Cramer Gelegenheit nahm, sich von seinen Schwestern und Brüdern im Amt zu verabschieden. Cramer wird den Kirchenkreis nach über 35 Jahren verlassen und im Auftrag der Landeskirche Gemeinden im Münsterland bei einem Pfarrstellenwechsel während des Übergangs begleiten. Nach einem letzten Frühstück am Donnerstagmorgen waren sich alle einig: Eine solche gemeinsame Fahrt fördert das gegenseitige (bessere) Kennenlernen und die Dienstgemeinschaft, und das gemeinsame Nachdenken über die Anforderungen im Pfarrdienst bringt Stärkung für die anstehenden Aufgaben in Gemeinden oder Fachbereichen. AR