Evangelische Kirche im Herzen des Ruhrgebiets

Hier erfahren Sie (fast) alles über die Gemeinden und die Fachdienste der Evangelischen Kirche in Herne, Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel. Sie finden Ansprechpersonen, aktuelle Nachrichten und Informationen zu Amtshandlungen wie Taufe, kirchliche Trauung oder Bestattung.

 

Die Herner Kreissynode wählt am 3. Oktober einen neuen Kreissynodalvorstand. Neben dem Superintendentenamt – die Vorstellung der Kandidierenden Claudia Reifenberger und Arno Wittekind finden Sie weiter unten – müssen auch alle weiteren Plätze neu besetzt werden. Pfarrer Burkhard Giese kandidiert für das Amt des Assessors, Pfarrer Sven Teschner für das des Skribas, Lars Batzer, Klaus-Dieter Gülck, Iris Karge, Michael Wippich und Marita Wolniak für das Amt des/ der Synodalältesten.

Assessor, Skriba und Synodalälteste: Die Kandidierenden

Um das Amt des Assessors bewirbt sich Pfarrer Burkhard Giese

Nach seiner Zeit als Gemeindepfarrer in Wanne-Nord (1989-1996) arbeitet Burkhard Giese (60) als Pfarrer am Emschertal-Berufskolleg Herne. Zurzeit ist er hier schwerpunktmäßig als Lehrer für Evangelische Religion und Religionspädagogik in den Ausbildungen zur/ zum staatlich geprüften Erzieher*in mit Fachabitur und Vollabitur sowie in der Praxisintegrierten Ausbildung eingesetzt. Außerdem ist Giese in die Betreuung im Praktikum in KiTas, OGS, Heim, Offener Jugendarbeit eingebunden. Darüber hinaus hat er mit weiteren evangelischen und katholischen Kolleg*innen und Studierenden der Islamwissenschaft an der Uni Münster ein Projekt zur interreligiösen und interkulturellen Kompetenz für sozialpädagogische und Gesundeitsklassen erarbeitet.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Schulseelsorge. Leitungserfahrungen hat Burkhard Giese in der Führung der Fachkonferenz Religion an der Schule sowie als Bezirksbeauftragter für den Evangelischen Religionsunterricht an Berufskollegs im Kirchenkreis Herne gesammelt. Darüber hinaus war er einige Jahre Vorsitzender des Synodalen Ausschusses für Erziehung und Bildung, dem er auch weiter angehört. Außerdem ist er stellvertretender Vorsitzender der deutschen Gesellschaft für Bibliodrama (GfB) und als Mitglied im Leitungsgremium des Europäischen Bibliodrama-Netzwerks.
Seit April 1985 ist Giese im Kirchenkreis tätig: Vikariat und Hilfsdienst in Herne-Baukau, Pfarrstelle in Wanne-Nord, Kreiskirchliche Pfarrstelle. Daher kennt er den Kirchenkreis gut und ist intensiv und weit verzweigt auch in den Städten vernetzt – unter anderem durch die zahllosen Kontakte in die Kindertagesstätten. Häufig steht Giese in Arbeitskontakten zum Jugendpfarramt und seinen Einrichtungen, zur Evangelischen Beratungsstelle, zur Schuldnerberatung, zum Eine-Welt-Zentrum und seinen Arbeitsbereichen.
Sein besonderes Interesse gilt einer lebendigen und erfahrungsbezogenen basisdemokratischen Form mit biblischen Texten in Gruppen zu arbeiten, dem Bibliodrama. Besonders engagiert ist Giese hier im Bereich der europäischen Begegnungen. Zu den jährlichen Bibliodrama-Konferenzen reisen Menschen aus etwa 13 europäischen Ländern an. Es sind katholische, evangelische orthodoxe und anglikanische Christen, aber auch Juden. „Alle treibt der Wunsch, in ehrlicher und offener Begegnung, Interaktion und Reflexion mit biblischen Texten zu arbeiten und eine respektvolle ökumenische Glaubens- und Lebenspraxis miteinander zu entwickeln.“
Im KSV möchte Burkhard Giese die Kommunikation im Kirchenkreis und mit den Menschen in den Kommunen fördern. „Dabei würde ich gerne versuchen, in Entwicklungen und Entscheidungsprozesse möglichst viele Menschen, z.B. ehrenamtlich Mitarbeitende, einzubeziehen“, sagt er. Weiterhin möchte er der Ökumene vor Ort neuen Schwung verleihen. „Dabei würde ich gerne meine Erfahrungen aus dem Europäischen Bibliodrama-Netzwerk sowie die Erfahrungen der bürgerschaftlichen Bewegung gegen die sogenannten ‚Besorgten Bürger‘ in Herne einbringen.“ Sein Wunsch ist, dass neben Strukturfragen auch eine gemeinschaftliche Beschäftigung mit biblischen Texten stattfindet. Er möchte versuchen, Brücken von den Gemeinden und Fachdiensten in die Berufskollegs zu bauen, damit junge Menschen wieder Zugang zur Kirche finden. „Eine Idee könnte z.B. ein Angebot eines Projekttags zu sozialen Kompetenzen sein, bei dem ich offen für Kooperationen mit christlichen, jüdischen und muslimischen Gemeinden wäre“, so Giese.
An der Evangelischen Kirche mag der Berufsschulpfarrer besonders die presbyterial-synodale Verfassung und Struktur, die es allen Mitgliedern ermöglicht, Gegenwart und Zukunft mitzubestimmen. Für die Zukunft der Evangelischen Kirche wünscht er sich, „dass wir fröhlich und gelassen mit der besten aller möglichen Botschaften vom liebenden lebendigen Gott, der ein gelingendes Leben für uns als Einzelne in der Gemeinschaft verspricht, auf alle Menschen zugehen, und zwar in Wort, Haltung und Tat.“
Burkhard Giese ist verheiratet mit der Sozialpädagogin Kerstin Romberg-Giese. Seit über 20 Jahren leben die beiden in Herne-Constantin. Einen Ausgleich finden sie in Bewegung – bei ausgedehnten Spaziergängen, beim Sport sowie auf unkomplizierten Urlaubsfahrten mit dem Reisemobil.

Um das Amt des Skribas bewirbt sich Pfarrer Sven Teschner

Sven Teschner (51) ist verheiratet mit der Ärztin Regina Teschner, mit der er fünf Kinder im Alter von 25, 21, 17, 14 und 13 Jahren hat. Er ist Pfarrer der am 1. Januar 2020 vereinigten Kirchengemeinde Castrop-Rauxel-Nord. Dort ist er insbesondere verantwortlich für Kindergottesdienst-, Familien-, Konfirmand*innen- und Flüchtlingsarbeit. Als herausfordernd empfindet er das Zusammenwachsen der vereinigten Gemeinden. „Es gilt, das Gebäudekonzept umzusetzen, Traditionen zusammenzuführen, Ziele zu bestimmen, Fragen zu klären und sich gleichzeitig stärker mit anderen Akteuren in den Stadtteilen zu vernetzen“, sagt Teschner. „Gleichzeitig fordert uns die Pandemie heraus, neue Formen der Gemeindearbeit auszuprobieren – so arbeiten wir in der Konfiarbeit mit der ‚Konapp‘, feiern ‚Espresso-Gottesdienste‘, die Frauenhilfen treffen sich in den Kirchen, das Kindergottesdienstteam entwickelt einen Kurz-Gottesdienst für Kinder…“
Die große Familie führt zu einem offenen Pfarrhaus mit vielen (internationalen) Besuchen – durch die Kirchenkreispartnerschaft, Schüleraustausche oder die Flüchtlingsarbeit. In seiner Freizeit geht Sven Teschner gerne Wandern, trifft Freunde auf ein Glas Whisky, fotografiert oder macht gerne Urlaub in touristenarmen Regionen.
Seine Aufgabe im KSV sieht Syen Teschner darin, an einer besseren Kommunikation zwischen Kreissynodalvorstand, Synodalregionen und Gemeinden zu arbeiten. „Nach meinem Empfinden erfahren wir zu wenig voneinander“, meint er. „Im KSV laufen viele Informationen zusammen, werden diskutiert, mit den Gemeinde- und Fachbereichsleitungen erörtert und entschieden; hier gilt es m.E. einen größeren Informationsfluss zu generieren.“ Gerade in den gegenwärtigen Herausforderungen könnten Kirchengemeinden und Fachbereiche Modelle und Projekte entwickeln, die beispielhaft für andere sind. Der KSV hat aus Teschners Sicht ferner die Aufgabe, die gegenwärtigen und zukünftigen Veränderungsprozesse zu begleiten und für die entsprechende Unterstützung durch den Kirchenkreis zu sorgen. „Mit der Schaffung einer 50-Prozent-Stelle für ‚fresh-X-Projekte‘ ist hier ein wichtiger Schritt gemacht worden“, sagt er. „M.E. muss die im fresh-X-Modell angedachte Zusammenarbeit mit Bewohner*innen des jeweiligen Stadtteils weitergedacht werden, denn Kirche braucht Kooperationspartner, Akteure im Stadtteil, mit denen wir das gleiche Ziel haben: der Stadt Bestes zu suchen.“ Das gelte zum Beispiel im Hinblick auf die Integration. „Ferner gilt es, die Öffentlichkeitsarbeit der Fachbereiche, der Gemeinden und des Kirchenkreises zu verstärken; angesichts sinkender finanzieller Ressourcen ist das eine Herausforderung.“
An der Evangelischen Kirche findet Sven Teschner gut, dass Laien nicht nur mitarbeiten, sondern entscheiden dürfen – als Mitglieder des Presbyteriums, der Synode und der synodalen Gremien, als Vorsitzende von Presbyterien oder Ausschüssen. „Das presbyterial-synodale Prinzip, mithin das ‚Priestertum aller Gläubigen‘, ist für mich ein entscheidendes Merkmal der protestantischen Kirche“, sagt Teschner. „Damit einher geht eine Vielfalt (diese Vielfältigkeit von Kirche finden wir übrigens schon im Neuen Testament) und ein offener Diskurs in theologischen und ethischen Fragen, der manchmal herausfordernd, aber immer gewinnbringend ist.“
Für die Zukunft der Evangelischen Kirche wünscht Teschner sich angesichts stetig sinkender Mitgliedszahlen Mut, die Zukunft zu gestalten. Von Gemeinden und Fachbereichen erhofft er sich Lust an der Veränderung. „Letztendlich geht es nicht darum, sich an dem freuen, was wir (noch) haben und erleben, sondern da gibt es Ziele, die Gottes Wort setzt, und auf die es hinzubeten und hinzuarbeiten gilt“, so der 51-Jährige. „Ich träume von einer Kirche, die an dem Platz, an dem Ort, an dem sie existiert, einen Unterschied ausmacht; und ich bin der Überzeugung: Unsere Städte – oder globaler ausgedrückt – diese Welt braucht eine lebendige Kirche!“

 

Lars Batzer (51) aus Castrop-Rauxel ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er engagiert sich seit 1986 in der Paulus-Kirchengemeinde Castrop – zunächst in der Jugendarbeit, dann (seit 1996) als Presbyter. Der Laienprediger (seit 1996) war von 2013 bis 2016 im synodalen Finanzausschuss, seit 2016 ist er Mitglied im Kreissynodalvorstand.
Der Bauingenieu ist stark engagiert im Bereich der Gebäudeverwaltung und Instandhaltung in der Paulus-Kirchengemeinde. Dementsprechend liegen Schwerpunkte im KSV im Bereich der Gebäudeunterhaltung und in Fragen der Verwaltung. „Mein Anliegen ist eine missionarische Arbeit, die in den Gemeinden stattfinden sollte“, sagt er zu seinen weiteren Interessen. „Als Mitglied im KSV sehe ich es als meine Aufgabe an, den Gemeinden gute Randbedingungen dafür zur Verfügung zu stellen.“
Mit Martin Luther gehören Christen für ihn nicht in die Abgeschiedenheit eines Klosters sondern mitten in die Welt. „Das hat mein bisheriges Leben ausgemacht und ich bin bis heute glücklich, dass das so ist und ich das so leben kann.“
Für die Zukunft der Evangelischen Kirche wünscht Batzer sich, dass Christen noch eindeutiger als heute Stellung zu gesellschaftlichen Fragen beziehen. „Das sollte nicht auf soziale und politische Fragen beschränkt bleiben, sondern sich auf das gesamte gesellschaftliche Leben beziehen (z. B. Rolle der Familie, Umgang mit Geld, kritische Nutzung von Medien, Verkehrskonzepte in Städten…..)“, sagt er. „Die Kirche muss diese Stellungnahmen bündeln, ihnen Gehör verschaffen aber auch ihre Glieder dazu ermutigen, dies bewusst als Christ zu äußern.“

Klaus-Dieter Gülck (63) ist Ur-Herner, der immer in dieser Stadt gelebt und – als Kommunalbeamter – gearbeitet hat. Derzeit befindet sich Gülck in der Freistellungsphase der Altersteilzeit, nachdem er zuletzt Leiter des städtischen Kulturbüros war. Im Kirchenkreis Herne ist er seit seiner Jugendarbeit engagiert – im CVJM, im Diakonie-und Sozialausschuss oder im Ausschuss für Mission, Ökumene und Weltverantwortung, um nur einige Bereiche zu nennen.  
Im Mai 2000 wurde Gülck in die Kreissynode, im Sommer 2002 in den Kreissynodalvorstand berufen. Nach seinem Eintritt in die Freistellungsphase absolvierte er ab September 2017 den Bundesfreiwilligendienst im Eine Welt Zentrum des Kirchenkreises Herne, wo er schon 1979/80 seinen Zivildienst absolviert hatte – damals firmierte die Fachstelle noch unter dem Namen „Informationszentrum Dritte Welt“
Die ehrenamtliche Arbeit im CVJM und im Kirchenkreis Herne hat KD Gülck einiges von der Welt sehen und lernen lassen – durch Freizeiten in verschiedenen europäischen Ländern, Austauschprogramme und Delegationsreisen in die USA, nach Japan und Afrika, zuletzt auch in den Partnerkirchenkreis Bukavu/ Kongo. Kinder- und Jugendarbeit, Diakonie, Eine-Welt-Zentrum und Arbeitslosenzentrum liegen ihm besonders am Herzen.
Klaus-Dieter Gülck ist katholisch aufgewachsen und durch den CVJM evangelisch sozialisiert worden. Mit Anfang 20 hat Pfarrer Eberhard Naumann ihn in die Evangelische Kirche aufgenommen. „Das Engagement der Evangelischen Kirche für junge Menschen, Benachteiligte und Hilfebedürftige in Wort und Tat aus einer klaren theologischen Position und Verantwortung ist für mich der Kern des christlichen Glaubens.“, sagt er. Für die Evangelische Kirche wünscht sich Gülck, dass sie als starke Stimme in der Gesellschaft wahrgenommen wird und für den Kirchenkreis Herne ein ausgewogenes Engagement für die Arbeitsfelder im Kirchenkreis, auch und gerade unter schwereren finanziellen Rahmenbedingungen.
Klaus-Dieter Gülck ist verheiratet; in seiner Freizeit besucht er gerne Konzerte, Theater oder Kino, außerdem engagiert er sich in der Lokalpolitik – in der Bezirksvertretung Sodingen und im Ausschuss Kinder-Jugend-Familie.

Iris Karge (54) ist Wanne-Eickelerin mit Leib und Seele. Die Kaufmännische Angestellte im Groß- und Außenhandel ist verheiratet und hat („leider“) keine Kinder. Sie war leidenschaftliche Taucherin, „bis der Krebs vor drei Jahren mein Leben auf den Kopf gestellt hat“. Seitdem hat sie ihre Arbeitszeit halbiert, damit sie Beruf und Ehrenämter weiterhin mit der gleicher Leidenschaft ausüben kann. Reisen und Fotografieren nennt sie als ihre grolßen Leidenschaften.
Seit acht Jahren ist Iris Karge ich Mitglied im KSV und dadurch bedingt auch Mitglied der Gesellschafterversammlung des EVR. Sie war Mitglied der beiden letzten Landessynoden, im Synodalen Frauenausschuss seit 2009, im Stiftungsrat Blue Planet seit acht Jahren. Als Presbyterin engagiert sie sich in der Gemeinde Wanne-Eickel.
Karge sieht sich durch ihre 35-jährige Berufserfahrung im kaufmännischen Bereich gut gerüstet, um zusammen mit anderen in den personellen, finanziellen und baulichen Fragestellungen Lösungsansätze zu erarbeiten. Es ist ihr Anliegen, ein gutes Gleichgewicht zwischen den finanziellen Gegebenheiten und den gemeindlichen Wünschen zu schaffen. Außerdem ist ihr wichtig, dass das Zusammenwachsen der neuen Gemeinden gut gelingt. „Ganz besonders heftig schlägt mein Herz für unseren Partnerkirchenkreis in Bukavu, erst recht nachdem ich diesen vor einigen Jahren besuchen durfte“, sagt sie. „Durch meine vielen Reisen rund um die Welt bin ich aufgeschlossen für Neues, ohne die Realität aus den Augen zu verlieren.“
Evangelisch zu sein bedeutet für Iris Karge, in der Gewissheit auf einen liebenden Gott leben zu können, ohne einen strafenden fürchten zu müssen. „Seine Zusage, dass ich ihm alle meine Sorgen, Nöte und Ängste vor die Füße legen darf und er sich derer annimmt, gibt mir in meinem Alltag Kraft und Mut.“ An der Evangelischen Kirche gefällt ihr, dass jeder sie mitgestalten kann. Für die Zukunft der Evangelischen Kirche wünscht sie sich, dass sie sich nicht nur um sich selbst, Ihre Gesetze und Ihre Finanzen kümmert, sondern um die Menschen. „Denn wir wollen doch das Evangelium verkünden und nicht in erster Linie ein Verwaltungsorgan sein.“ Eine Konzentration der Verwaltungsaufgaben, damit in den Gemeinden vor Ort mehr Zeit ist für das Wesentliche bleibt, bezeichnet Iris Karge als ihre Zukunftsvision.

Michael Wippich (44) hat einst Theologie und Anglistik studiert. Arbeiten tut er als Regisseur und Produzent. Kreativität, Empathie und Sprachfähigkeit nennt er als die Talente, die Gott ihm mitgegeben hat. Für ihn ist die Erfahrung leitend, dass gute Arbeit nur im Team gelingt. „In meinem Beruf ist das genauso wichtig, wie bei meinen kirchlichen Aufgaben und Ämtern.“ Er ist geschichtlich interessiert, vor allem das Mittelalter hat es ihm angetan. Außerdem singt Wippich gerne, hat dies lange in diversen Chören getan. „Ich leide momentan besonders darunter, dass wir im Gottesdienst nicht singen dürfen“, sagt er. Des Weiteren gehört das Kochen zu Wippichs großen Leidenschaften. Alte und neue Rezepte und ausschließlich gesunde Zutaten in Bioqualität kommen dabei zum Einsatz.
Seit 1991 ist Michael Wippich ehrenamtlich in der evangelischen Kirche tätig, zunächst in der Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinde Wanne-West, später als Leiter der Gemeindebriefredaktion in Wanne-Süd. Ab 2007 leitete er eine Theatergruppe, Seit 2012 ist er Presbyter, seit 2016 Finanzkirchmeister der Matthäus-Kirchengemeinde Wanne und Mitglied im Finanzausschuss des Kirchenkreises. Seit Juni 2019 war er erst Bevollmächtigter und Finanzkirchmeister und seit März 2020 auch wieder Presbyter und Finanzkirchmeister der Kirchengemeinde Wanne-Eickel.
Seinen Schwerpunkt im KSV sieht Wippich im Bereich kirchlicher Finanzen. Es ist ihm wichtig, dass der Kirchenkreis die nötigen Finanzspielräume schafft, damit die Arbeit der Gemeinden und Fachbereiche langfristig gesichert ist. Dabei ist ihm wichtig, dass auch bei schwindenden Finanzmitteln immer das geistige Wachstum im Sinne des Evangeliums im Vordergrund steht, „dass wir Menschen einladen, ihnen begegnen, wo nötig auch helfen mit Wort und Tat.“
An der Evangelischen Kirche findet Wippich gut, dass sie sich den Aufgaben und Anforderungen der Zeit stellt und dabei am Evangelium dranbleibt. „Die Evangelische Kirche reformiert sich seit 500 Jahre ständig, um Antworten in sich ändernden gesellschaftlichen Strukturen zu finden. Michael Wippich wünscht sich eine lebendige Kirche, die nah am Wort Gottes und nah bei den Menschen ist.

Marita Wolniak (63) ist Drogistin und seit dem 1. Juni Rentnerin. Sie ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und zwei Enkelkinder. Sie genießt es, auch spontan Zeit mit ihnen zu verbringen. Außerdem geht sie gerne spazieren, trifft sich mit Freunden und liebt es, ans Meer fahren. Als Marita Wolniak 1960 aus einem kleinen Dorf in Dithmarschen 1960 Herne gezogen und hier ein kleines Bauernhaus, Kühe, Katzen, Hund, Hühner und ein riesiges Grundstück eingetauscht hat gegen 70 Quadratmeter im zweiten Stock, war der Sodinger Pfarrer war für ihre Eltern ein wichtiger Seelsorger. Zusammen mit einer Frauenhilfsfrau hat er ein Netzwerk geschaffen, in dem ihre Mutter sich gut aufgehoben fühlte. „Von daher bedeutet Christin zu sein für mich, Menschen im Blick zu haben, wachsam zu sein für diejenigen, die Hilfe brauchen, und sie zu begleiten“, so Wolniak. Aus ihrer Überzeugung heraus, von Gott begleitet zu sein, möchte sie anderen Menschen Perspektiven eröffnen und sie einladen.
Mit ihren Kindern hat Marita Wolniak früher regelmäßig den Kindergottesdienst in der Kreuzkirche besucht. 2001 wurde sie ins Presbyterium gewählt. Der Schwerpunkt ihrer Mitarbeit lag auf den Kindergärten. Seit 2012 ist sie im Leitungsausschuss, „weil ich einen Blick über den Tellerrand hinaus in diesem Bereich für notwendig halte.“ Zudem ist sie im Personalausschuss und hat den Vorsitz im Gottesdienstausschuss. Außerdem sitzt sie im Arbeitskreis „Inklusiver Gottesdienst“. Wolniak arbeitet mit in der Synodalregion Herne, in der alle Gemeinden in Herne gemeinsame Gottesdienste – etwa zu Himmelfahrt, Reformation oder Ostermontag – planen und sich über Termine und andere Anliegen austauschen. „Gottesdienste zu feiern ohne Traditionen aus dem Blick zu verlieren und zugleich Angebote zu schaffe, um neue Menschen zu gewinnen – das liegt mir am Herzen.“
Ihre Aufgabe im KSV sieht Marita Wolniak zunächst einmal darin, alle Gemeinden im Blick zu haben, Informationen über Mitarbeitende oder Finanzen zu erhalten, um dann tätig werden zu können. Ihr persönlicher Schwerpunkt liegt auch hier auf der Kindergartenarbeit. Für die Evangelische Kirche wünscht sich Marita Wolniak, „dass sie nah am Menschen bleibt und immer neue Wege findet, um Menschen für den gemeinsamen Weg mit Gott zu begeistern.“ Außerdem soll die Kirche einen erkennbaren Stellenwert in der Gesellschaft behalten, indem sie klar Stellung bezieht und sich positioniert.

Zwei Bewerbungen um die Nachfolge von Reiner Rimkus

Pfarrerin Claudia Reifenberger und Pfarrer Arno Wittekind bewerben sich im Kirchenkreis Herne um die Nachfolge von Superintendent Reiner Rimkus. Die Wahl findet auf der Tagung der Kreissynode am Samstag, 3. Oktober, in der Herner Dreifaltigkeitskirche statt. Am Montag, 28. September, findet eine Synodalversammlung statt, auf der sich die Kandidierenden den Fragen der Synodalen stellen. In einem Interview haben sie uns Auskunft gegeben über die Beweggründe für ihre Bewerbung, ihre Ziele im Falle einer Wahl und einiges mehr.

Pfarrerin Claudia Reifenberger ist 55 Jahre alt. Die gebürtige Siegenerin hatte ihre erste Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Lünen. Sie war als Scriba Mitglied im Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Lünen und begleitete die Vereinigung der drei Dortmunder Kirchenkreise mit dem Kirchenkreis Lünen. Im vereinigten Kirchenkreis Dortmund war sie stellvertretende Assessorin. Seit 2016 ist Reifenberger Gemeindepfarrerin in der Kirchengemeinde Castrop-Rauxel-Nord. Hier hat sie die Vereinigung der Kirchengemeinde Habinghorst und der Friedenskirchengemeinde Castrop-Rauxel als Presbyteriumsvorsitzende begleitet. Claudia Reifenberger ist ledig.

Pfarrer Arno Wittekind ist 55 Jahre alt. Der gebürtige Wanne-Eickeler hatte seine erste Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Eickel; seit 2012 ist er Gemeindepfarrer in der Paulus-Kirchengemeinde Castrop. Als Synodalassessor ist er Mitglied im Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Herne. Zuletzt hat er ein Buch geschrieben, in dem er biblische Impulse für Fragen nach Gottesdienst und kirchlichem Aufbruch heute entfaltet. Wittekind ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Ehefrau Petra Stach-Wittekind arbeitet als Religionspädagogin im Eine Welt Zentrum des Kirchenkreises Herne.

Pfarrerin Reifenberger, Pfarrer Wittekind, was hat Sie bewegt zu kandidieren?
Reifenberger: Bevor ich auf diese Frage antworte, möchte ich vorausschicken, dass ich es mit der Tradition unserer Kirche halte, dass interne Kandidaten vom Nominierungsausschuss gefragt werden sollten, bevor sie sich um ein solches Amt bewerben. Insofern habe ich erst über eine Bewerbung nachgedacht, nachdem ich Anfang August angesprochen und gebeten wurde zu kandidieren. Weil ich grundsätzlich große Lust habe, das Superintendentenamt auszuüben, und auch meine, es mit meinen Kompetenzen ausfüllen zu können, habe ich nach der Anfrage recht schnell entschieden, mich zu bewerben.
Ich bringe aus meiner Tätigkeit im Kirchenkreis Lünen als Scriba und stellvertretende Assessorin Leitungserfahrung mit, die ich bereits – neben den Erkenntnissen aus einer Langzeitfortbildung „Spirituelles Gemeindemanagement“ – in den Prozess der Vereinigung der Friedenskirchengemeinde Castrop-Rauxel mit der Kirchengemeinde Habinghorst einbringen konnte.
Ich habe in Lünen wie in Castrop-Rauxel Freude an der Steuerung und Begleitung von Prozessen entwickelt – in Zusammenarbeit mit Menschen, die sich genau wie ich gerne besonderen Herausforderungen stellen. Und von denen gibt es im Kirchenkreis Herne einige, wenn ich nur an die gerade vollzogene Vereinigung der Kirchengemeinde Wanne-Eickel oder die geplante Vereinigung von fünf Herner Kirchengemeinden denke. Und auch Fachbereiche wie beispielsweise das Eine Welt Zentrum, das Zeppelinzentrum, das Jugendreferat oder die Kindergartengemeinschaft – um nur einige zu nennen – müssen ständig kreative Ansätze finden, um ihre Arbeit auch in Zukunft zu sichern. Und neben den Strukturüberlegungen geht es ja immer um Inhalte: Welche Arbeitsbereiche sind uns besonders wichtig? Wo wollen wir als Kirchenkreis hin? Wofür wollen wir stehen? Diese Fragen müssen auch in Strukturüberlegungen beantwortet werden. Ich habe Lust, mich hier mit meinen Gaben und Ideen einzubringen. 

Wittekind: Ich bin im Kirchenkreis Herne zu Hause, und er fasziniert mich sehr. Ich denke dabei nicht nur an die Impulse und Initiativen, die in der Vergangenheit in Herne ihren Ausgang genommen haben. Ich habe auch die gegenwärtigen Herausforderungen vor Augen und meine, dass wir uns in Herne gute Voraussetzungen erarbeitet haben, ihnen zu begegnen. Ich möchte diese Zukunft verantwortlich mitgestalten. Irgendwie schlägt hier in Herne, Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel mein Herz. Trotz vieler guter Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen in anderen Kirchenkreisen haben mich Anfragen, mich woanders als Superintendent zu bewerben, bisher nicht reizen können.
Wir haben kurz vor der Corona-Zeit ja noch ein landeskirchliches Visitationsteam in unserem Kirchenkreis zu Gast gehabt. Das Team hat uns in einem ersten Eindruck vermittelt: Was ihr an kreiskirchlichen Diensten bis hin zu den größeren Konzernen von Kinderheim und Krankenhausgemeinschaft aufgebaut habt, das hat Format. Und ich glaube, dass bei einer Visitation der Kirchengemeinden ganz ähnliche Worte gefallen wären. Auf jeden Fall wurden die Vielfalt und die Lebendigkeit der Gottesdienste erwähnt. Ich möchte das alles zusammen mit den Verantwortlichen in Fachdiensten, Gemeinden und der kreiskirchlichen Verwaltung weiter fördern und entwickeln. Mein Ziel ist es, den ehrenamtlich und hauptamtlich Mitarbeitenden möglichst große Gestaltungsräume zu eröffnen. Besondere Anliegen sind mir die Förderung des gemeindlichen und theologischen Nachwuchses und die Kirchenmusik.

Was für ein Bild von Kirche hat Sie geprägt und wie hat sich dieses Bild bis heute verändert?
Wittekind: Wenn ich an die Kirche denke, dann habe ich das Bild einer Gemeinschaft von Menschen vor Augen, die von der Liebe Gottes berührt ist und angetrieben durch sie in der Welt handelt. Diese Gemeinschaft lebt vom Gottesdienst her. Dass diese Gemeinschaft an einem Ort entsteht oder wächst, ist für mich immer wieder ein Wunder. Dieses Bild von Kirche hat sich bei mir vom Anfang meines Christseins an durchgehalten.
Seit meiner Studienzeit habe ich die Diskussion um den missionarischen Gemeindeaufbau miterlebt und als Pfarrer an Strukturdebatten und Entscheidungen teilgenommen. Da standen oft auch Kirchenbilder im Raum, die die Kirche eher als Bau oder vielleicht sogar als Betrieb und Konzern gesehen haben. Es wurde viel über Leitbilder, Pläne, Strategien und Zielvereinbarungen geredet. Man hat inzwischen – so hoffe ich – erkannt, dass Strukturveränderungen der Kirche kein neues Leben einhauchen können. Auch wenn es um die geplante Entwicklung von Gemeinden geht, haben wir erlebt, dass menschliche Pläne oft nicht aufgehen, der Geist Gottes aber dort Neues wachsen lässt, wo niemand es vorgesehen hatte. Die Kirche ist eben kein Bau, sondern ein lebendiger Organismus. Sie ist Leib Christi. Sie wächst dort, wo dem Geist Gottes und der Initiative von begeisterten Menschen Raum gegeben wird. Sie lebt, wo Beziehungen zu Gott und zu den Mitmenschen geknüpft und vertieft werden. Alles ordnende und leitende Handeln muss da auch Zurückhaltung üben und achtsam mit dem Gewachsenen umgehen können.

Reifenberger: Die Evangelische Kirche hat in meinem Leben immer eine sehr wichtige Rolle gespielt – sie war und ist mir Heimat. Von klein auf habe ich mich immer so, wie ich bin, angenommen gefühlt. In meiner Heimatgemeinde, der Kirchengemeinde Eisern im Siegener Süden, hatte ich Gelegenheit, mich und meinen Glauben zusammen mit anderen zu entwickeln und als Mitarbeiterin meine Ideen einzubringen. Als Pfarrerin macht es mir große Freude, meinen Teil dazu beizutragen, dass die uns anvertrauten Menschen in unserer Gemeinde ein Zuhause finden, wo sie sich angenommen und wertgeschätzt fühlen und sich gerne mit ihren Gaben engagieren.
Ich weiß natürlich auch, dass die Kirche als Institution, wie „wir“ sie kennen, unter hohem Veränderungsdruck steht. Das zeigt die „Freiburger Studie“ aus dem Jahr 2017 mit ihren Prognosen zur Mitgliederentwicklung (Halbierung der Mitgliederzahl bis 2060) oder die Meldung über hohe Austrittszahlen im letzten Jahr 2019, die vor einigen Wochen durch die Presse ging.
Ich möchte darüber nicht klagen, sondern mit allen, die im Kirchenkreis Herne Verantwortung tragen, diskutieren, wie wir in der Gesellschaft erkennbar und erlebbar bleiben – als Kirche Jesu Christi, die im Vertrauen auf die Führung Gottes kraftvoll unterwegs ist. Dieses Bild bringt für mich der Choral „Der Geist des Herrn erfüllt das All“ wunderbar auf den Punkt, hier besonders die vierte Strophe:
„Der Geist des Herrn durchweht die Welt gewaltig und unbändig;
wohin sein Feueratem fällt, wird Gottes Reich lebendig.
Da schreitet Christus durch die Zeit in seiner Kirche Pilgerkleid,
Gott lobend: Halleluja.“

Was sind aus Ihrer Sicht die Herausforderungen für einen Kirchenkreis mitten im Ruhrgebiet – gerade in/ nach der Corona-Krise – und welche konkreten Ziele ergeben sich daraus für eine erste Amtszeit?
Reifenberger: In der Stellenausschreibung wurde das Ruhrgebiet beschrieben als eine Region, „die sich im stetigen Wandel und Aufbruch befindet.“ So habe ich diese Region von außen immer wahrgenommen und deshalb bin ich bewusst hier hergekommen! Gerade im Ruhrgebiet muss sich Kirche m.E. beweglich zeigen und Bereitschaft zu Veränderung haben.
Ich habe hier erlebt, dass Veränderung in Zusammenarbeit mit engagierten Mitarbeitenden in Gemeinden, Fachdiensten und Verwaltung gerne gestaltet wird. Nicht zuletzt die Corona-Krise hat mir gezeigt, wie erfinderisch und kreativ die Mitarbeitenden in den Gemeinden und Fachdiensten in diesem Kirchenkreis sind. Sie haben neue digitale oder analoge Formen entwickelt, sodass auch in der Krise weiter Gottesdienste gefeiert werden und vielfältige Begegnungen stattfinden konnten und können. Ich bin neugierig zu erfahren, was überall im Kirchenkreis in den zurückliegenden Monaten gelaufen ist, was sich bewährt hat und über die Corona-Krise hinaus weitergeführt wird.
Auf mich wirkt die Corona-Krise wie ein Brennglas für die Situation der Institution Kirche generell. Die Meldungen über Austrittszahlen 2019 lassen durchaus befürchten, dass der mit dem Mitgliederverlust verbundene Rückgang der Kirchensteuermittel die Rahmenbedingungen, in denen sich Kirche entfalten kann, schneller verändert als angenommen. Das wirkt sich auf alle Struktur-, Gebäude- oder Personalfragen aus. Ich bin gespannt, welche kreativen Lösungen wir im Kirchenkreis finden, welche bewährten Wege wir weiter beschreiten und wo sich neue Wege auftun. Bei den vorangehenden Überlegungen muss es m.E. auch um die Frage gehen, wie wir unsere Mitglieder an uns binden bzw. wie wir neue Mitglieder gewinnen können – mithin, wie wir unseren Glauben verständlich und einladend ins Gespräch bringen.
Im Falle meiner Wahl werde ich zunächst viele Gespräche führen mit allen, die in Gemeinden, Diakonie, den sonstigen Fachdiensten oder Verwaltung tätig sind. Ich werde möglichst an jedem Sonntag in einer anderen Kirche den Gottesdienst besuchen, um meine Amtsgeschwister und ihre Gemeinden kennenzulernen. Auch werde ich den Kontakt zu den Katholiken sowie den Vertretern der anderen Konfessionen und Religionen sowie den Frauen und Männern, die in den Kommunen Verantwortung tragen, suchen. Ich möchte mir schnell einen möglichst umfassenden Überblick über das Leben in Herne, Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel verschaffen und eine Idee zu entwickeln, welche Themen die Menschen besonders bewegen.

Wittekind: Ich sehe den Kirchenkreis durch die Corona-Krise verstärkt in der Herausforderung, in Kirchengemeinden und Fachdiensten nahe bei den Menschen zu bleiben. Die Herausforderung, immer wieder neu mitmenschliche Nähe und Hilfe zu ermöglichen, bündelt für mich die Vielzahl der Aufgaben, die auf uns zukommen.
Das hat auch mit den Finanzen des Kirchenkreises zu tun. Die Corona-Krise wird ja auch zur finanziellen Herausforderung: Den Überschuss des Haushaltsjahres 2019 werden wir im Kirchenkreis komplett zur Deckung des Haushaltes 2020 brauchen. Auf diese Weise kann in diesem Jahr alles noch so weiter laufen wie geplant. Doch schon für die Planung des Jahres 2021 wird definitiv weniger Geld zur Verfügung stehen. Dabei wird das Geld für die Beratungsangebote, die Kindertagesstätten, die Jugendarbeit und die seelsorgerlichen Angebote dringender gebraucht denn je. Das wirft die Frage auf: Muss die Krise dazu führen, dass wir für die Menschen in ihren Bedürfnissen und Nöten weniger Nähe und fachliche Hilfen anbieten können? Oder finden wir einen anderen Weg?
Auch die Kirchengemeinden werden im Augenblick von der Herausforderung in Atem gehalten, die durch die Kontaktverbote und Sicherheitsauflagen verlorene Nähe wieder herzustellen. Sie tun das mit viel Liebe und Ideenreichtum. Doch finanzielle Engpässe fördern in Kirchengemeinden oft Prozesse, durch die das Gemeindeleben für die Menschen weiter in die Ferne rückt. Das würde ich gerne in unserem Kirchenkreis verhindern wollen.
In der Krise sind in den letzten Monaten viele kreative Ideen ausprobiert und in die Tat umgesetzt worden. Gemeinden habe die digitale Welt entdeckt und auch neue Wege im „analogen“ Miteinander gefunden. Vieles bewährt sich und verlangt danach, zur Normalität werden zu können. Wie in der Gesellschaft müsste jetzt eigentlich eine Zeit folgen, in der man nicht einfach zum Normalbetrieb vor der Krise zurückkehren will, sondern in Neues und Nachhaltiges investiert. Das ist leichter gesagt als getan. Doch ich denke, dass wir dafür in der Leitung des Kirchenkreises und der Kirchengemeinden ein Gespür entwickeln und die notwendigen Rahmenbedingungen herstellen können.
Auch die anderen kreiskirchlichen Herausforderungen sind durch Corona nicht einfach weg. Die Umstellung auf NKF, das neue IT-Konzept, notwendige Neustrukturierungen in Fachbereichen und vieles andere – das alles läuft weiter. Und diese Prozesse haben die lästige Angewohnheit, Ressourcen und Aufmerksamkeit vollständig an sich zu binden. In der Zukunft wird es um den Spagat gehen, mit ganzem Herzen bei unserem Auftrag für die Menschen zu sein, und gleichzeitig, die organisatorischen Herausforderungen zu stemmen. Ich glaube, es könnte dabei eine große Hilfe sein, wenn die Mitarbeitenden in Kirchenkreis und Gemeinden mehr voneinander wissen und einander auch persönlich begegnen und kennenlernen. So könnte ein Netz der gegenseitigen Unterstützung wachsen.

Welches Bibelwort/ welche Bibelworte haben Sie geprägt und was bedeutet es/ bedeuten sie für Ihre theologischen Überzeugungen/ Ihre theologische Existenz?
Wittekind: Die Frage ist für mich nicht leicht zu beantworten, da das tägliche Bibellesen nach einem festen Bibellesesplan mich seit der Anfangszeit meines Christseins geprägt hat. Da begegnet man zwangsläufig nicht nur den schönen und schnell eingängigen Worten, sondern auch den sperrigen und schwer verdaulichen. Und gerade die sperrigen Verse entwickeln eine Langzeit- und Tiefenwirkung.
Als Bibelleser komme ich immer wieder auf die Bergpredigt zurück. Da lese ich: Wo Menschen vom Geist Gottes ergriffen sind, entstehen reale Gemeinschaften, die Gerechtigkeit und Friedfertigkeit ausstrahlen. Da ist die Frömmigkeit echt. Da spielt der Besitz keine dominierende Rolle. Da wird nicht übereinander gerichtet. Da haben die Armen ein Recht auf Teilhabe. Da wird nicht im Blick auf Nationalität, Hautfarbe und Geschlecht geurteilt. Da wird Macht nicht missbraucht, sondern als Mittel zum Dienst zum Wohl aller eingesetzt.
Von diesem Gottesvolk heißt es schon im Alten Testament: „Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen.“ (Jesaja 58,8) Die Worte von der selbstlosen Ausstrahlung des Gottesvolkes in Jesaja 58, 6-12 haben mich vielleicht am tiefsten beeindruckt, und geben mir für meinen Dienst die Orientierung.
Über diese Verse bin ich auf die Exoduserzählung von der Befreiung Israels aus Ägypten gestoßen, um sie in den Lesungen meines Buches „Entfesselte Gemeinschaft“ auszulegen. Ich bin überzeugt, dass wir über diese Texte zu dem finden, was uns als Christenheit ausmacht, und was wir heute für Gott und die Welt sein können.

Reifenberger: Es gibt nicht „das“ Bibelwort, das mich geprägt hat – mich sprechen mehrere Bibelworte an, vor allem solche, die vom Unterwegssein der Gemeinde und vom Mitgehen Gottes sprechen. Dazu gehört in besonderer Weise die Exodusgeschichte, die von der Wanderung des Gottesvolkes und den verschiedenen Gottesbegegnungen etwa im brennenden Dornbusch in Wolke, Feuer oder Zelt erzählt.
Von der ersten Seite der Bibel an ist immer wieder davon die Rede, dass Gott in der Welt Wohnung nimmt. Hier sehe ich eine Klammer vom 1. Buch Mose bis zur Offenbarung.
Ich staune in jeder Adventszeit neu über das Geheimnis der Menschwerdung Gottes, jedes Jahr meditiere ich in dieser Zeit den Johannesprolog. Was bedeutet es, wenn das Wort Fleisch wird und Gott in sein Eigentum kommt? Was für eine wunderbare Verheißung verbirgt sich hinter diesen poetischen Sätzen!
In „Trockenzeiten“ tröstet mich das Versprechen, dass Gottes Wort nicht leer zurückkehren wird (Jesaja 55,1). Und tatsächlich ganz klassisch spricht mich mein Konfirmationsspruch immer wieder an: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn; der wird dich versorgen und wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen“ (Psalm 55, 23). Er schenkt mir Zuversicht und Gelassenheit.

Was tun Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?
Reifenberger: Bis vor kurzem war ich Mitglied einer Samba-Percussion-Band in Dortmund, in der ich seit 2006 gespielt habe, meist die tiefe Surdo, eine Basstrommel, der Herzschlag der Band. Ich mache tatsächlich gerne Garten- und Hausarbeit! Beim Aufräumen und Sortieren klären sich meine Gedanken. Außerdem gehe ich sehr gerne in Museen. Ich interessiere mich für Bauhaus und Design. Eines meiner Lieblingsmuseen ist das Museum für Angewandte Kunst im Grassi-Museum in Leipzig. Unbedingt möchte ich mir in nächster Zeit die Keith-Haring-Ausstellung in Essen ansehen. Meine Urlaube verbringe ich am liebsten am Mittelmeer, außerdem mache ich gerne Städtereisen.

Wittekind: In meiner Freizeit brauche ich körperliche Bewegung. Ich mag Gartenarbeit. Meine Frau und ich wandern und segeln gern. Ich mag Fitnesssport. Das Fußballspielen lasse ich nach drei Knieoperationen bleiben – aber schweren Herzens! Da für uns die Zeit der Familienurlaube vorbei ist, genießen wir es auch, Städtetouren in Europa zu machen und uns Museen und Ausstellungen anzuschauen. Außerdem mag ich gute Filme und Serien.

Welches Buch liegt bei Ihnen zurzeit auf dem Nachttisch?
Wittekind: Das Buch „Tausend Teufel“ von Frank Goldhammer. Das ist der zweite Teil einer Reihe von Kriminalromanen, die in Dresden im Jahr 1945 spielen. Ich mag Romane, die auf dem Hintergrund historischer Ereignisse spielen und diese lebendig werden lassen.

Reifenberger: Weil ich immer mehrere Bücher gleichzeitig lese, finden sich im ganzen Haus unterschiedlich große Bücherstapel, oft mit Notizzetteln darin. Hier sammeln sich angefangene und unvollendete Gedanken. Zur Nachtruhe gehört für mich, dass ich diese Gedanken bewusst aus meinem Schlafzimmer verbanne. Darum gibt es an meinem Bett nur ein angeschraubtes Brett, auf dem neben dem Wecker nur genau ein Buch Platz hat. Aktuell liegt dort der neue Roman von Klaas Huizing „Das Testament der Kühe“.

Tipps & Termine

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„Interreligiöser Dialog: Christen-Muslime-Juden im Gespräch“

08.09.2020 19:00 - 21:00 Uhr

Die Reihe „Interreligiöser Dialog: Christen-Muslime-Juden im Gespräch“ wird fortgesetzt. Die nächste Veranstaltung findet statt am Dienstag, [...]

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Faire Woche in Herne und Wanne-Eickel

11.09.2020 08:00 - 22:00 Uhr


Das diesjährige Motto der Fairen Woche in Herne und Wanne-Eickel lautet „FAIR STATT MEHR“.
In der Woche [...]

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Faire Woche: Auftakt rund um den Weltladen

11.09.2020 10:00 - 18:00 Uhr

Auftakt Faire Woche - Kennlerntag am Freitag (11.9.)

10-18 Uhr: Rund um den Weltladen Esperanza in d [...]

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Faire Woche: ARTBAGS im Schloss Strünkede

12.09.2020 11:00 - 14:00 Uhr

Faire Woche Herne: ARTBAGS im Schloss Strünkede - Samstag (12.9.)

11-14 Uhr: Nach einer [...]

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Tag des Offenen Denkmals auf Schwerin

13.09.2020 12:00 - 17:00 Uhr

CASTROP-RAUXEL – Am Tag des Offenen Denkmals am Sonntag, 13. September, öffnet die Johanneskirche am Weißdorn 2 in [...]

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Faire Woche: Stadtrundgang "Nachhaltig und Fair in Herne"

14.09.2020 16:00 - 17:30 Uhr

Faire Woche: Stadtrundgang "Nachhaltig und Fair in Herne" - Montag (14.9.)

16-17.30 Uhr:

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Faire Woche: Führung, Handarbeitszirkel, Malstube im Schloss Strünkede

24.09.2020 15:00 - 18:00 Uhr

FAIRE WOCHE HERNE - Donnerstag (24.9.)

15-17 Uhr: Führung und Handarbeitszirkel im Schloss Strünkede<br [...]

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Themenabend 1: Wandel der Arbeitswelt - „Mansformation“

24.09.2020 18:00 - 21:30 Uhr

Die Männerarbeit im Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen lädt ein zu drei Abenden

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Lesung: DIY!#Einfach plastikfrei leben!

29.09.2020 19:00 - 21:00 Uhr

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Lesung: DIY! #Einfach plastikfrei leben

29.09.2020 19:00 - 21:00 Uhr

DIY - Do it yourself! # Einfach plastikfrei leben: Selbstgemacht statt gekauft -  Lesung mit Charlotte Schüler.

Charlotte Schüler wa [...]

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