Herne. Im November war der Theologe und Wissenschaftliche Mitarbeiter an der Friedrich-Alexander- Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg Jan Gehm zu Gast im Frauentreff der Petrus-Kirchengemeinde Herne. In einem Projekt der Europäischen Union hat er an der niederländischen Radboud-Universität Nijmegen zu orientalisch-orthodoxen Gemeinschaften in Europa, insbesondere zur Syrisch-Orthodoxen Kirche in Schweden, Deutschland und den Niederlanden gearbeitet.
Die Syrisch-Orthodoxe Kirche hat ihre Wurzeln in den ersten Jahrhunderten. Der Referent erläuterte, dass im Zuge des Anwerbeabkommens in den 1960er-Jahren viele orientalische Christen aus der Südosttürkei nach Deutschland gekommen waren. „Sie suchten nicht nur bessere wirtschaftliche Perspektiven, sondern kamen auch, weil sie als Christen einen schweren Stand im Land hatten“, so Gehm.
Inzwischen leben in Deutschland etwa 150000 syrisch-orthodoxe Christen. Einige der orientalisch-christlichen Gemeinschaften haben auch alte Klöster übernommen und mit neuem Leben erfüllt – beispielsweise die Syrisch-Orthodoxe Kirche in Warburg. Im Ruhrgebiet sind insbesondere syrisch-orthodoxe Christen heimisch. Bis 1970 lebten bereits zwölf Familien in Herne. Viele von ihnen fanden Arbeit bei der Firma Heitkamp, der Deutschen Bahn oder in der Textilindustrie. Für die Pflege ihrer religiösen Traditionen, darunter die aramäische Sprache in der Liturgie sowie ihre kulturellen Bräuche, wurden ihnen Räume in der katholischen St. Laurentius-Kirche zur Verfügung gestellt.
Ab 1979 organisierten sich die Gemeinden in eingetragenen Vereinen, wie zum Beispiel dem Syrisch-Aramäischen Volksverein Wanne-Eickel. Im Jahr 1980 besuchte der Patriarch Mor Ignatius Jakob III. der Syrisch-Orthodoxen Kirche mit Sitz in Damaskus die Gemeinde in Herne. 1991 wurde Samuel Gümüs zum Priester geweiht. Im selben Jahr konnte die ehemalige methodistische Kirche in der Deutschen Straße in Wanne-Eickel erworben und als Syrisch-Orthodoxe Kirche St. Petrus und Paulus eingeweiht werden. Pfarrer Gümüs wurde in dieser Kirche ordiniert. Vertreter der Stadt Herne sowie der beiden großen Kirchen hielten Grußworte. Von Beginn an bestanden gute ökumenische Beziehungen zu den Herner Kirchen; die evangelische Pfarrkonferenz war mehrfach zu Gast. Die Frauen des Frauentreffs dankten Jan Gehm für den informativen Abend. Mit seiner Unterstützung planen sie für das kommende Jahr eine Begegnung mit den syrisch-orthodoxen Christen in Wanne-Eickel. BB
Der Theologe Jan Gehm war zu Gast im Frauentreff der Petrus-Kirchengemeinde Herne. FOTO: BIRGIT BASTERT

