Wie sagt man einem Kind, dass seine Mutter stirbt?

Wie sagt man einem Kind, dass seine Mutter stirbt?

Das Team der Palliativstation im EvK Herne bereitet sich auf die Begleitung trauernder Familien mit Kindern vor. Der Förderverein finanziert Fortbildungsreihe mit Mechthild Schroeter-Rupieper, Gründerin des LAVIA-Instituts für Familientrauerarbeit in Gelsenkirchen.

Wie erklärt eine Pflegekraft einem Kind, dass seine Mutter oder der geliebte Opa stirbt? Auf der Palliativstation im Evangelischen Krankenhaus Herne stehen Mitarbeitende immer häufiger vor dieser Frage. In den vergangenen Monaten hat das Team mehr unheilbar Kranke begleitet, die mit minderjährigen Kindern leben. Mit Hilfe von Spenden hat der Förderverein deshalb erstmals eine Fortbildung finanziert, die den beruflich Pflegenden mehr Sicherheit im Umgang mit trauernden Familien vermittelt.

Carina Brust, Sozialberaterin der Palliativstation, hat die Seminarreihe koordiniert. „Wir Fachkräfte bringen viel Wissen und Erfahrung mit, kommen in der Begleitung von Familien aber immer wieder an unsere Grenzen“, sagt sie. Als Referentin konnte sie Mechthild Schroeter-Rupieper, Gründerin des LAVIA-Instituts für Familientrauerarbeit in Gelsenkirchen, gewinnen. In zwei Fortbildungen mit je zwei Terminen gab sie mit Theorie und praktischen Fallbeispielen Antworten auf die Fragen, wie Kinder in welchem Alter trauern und wie Gespräche mit Familien gelingen, auch ohne Worte.

Dabei rückte Schroeter-Rupieper stets konkrete und kindgerechte Alltagshilfen in den Mittelpunkt ihrer Vorträge. Dazu gehörte zum Beispiel Norbert, ein Gewichtskuscheltier zum Umarmen, das Stress abbaut und Kinder zur Ruhe kommen lässt. Auch „Trostsalben“ aus Glitzerfarbe, die Kinder anrühren und auf die Hände der kranken Person auftragen, können hilfreich sein.

Mechthild Schroeter-Rupieper machte den Kursteilnehmenden ausdrücklich Mut, Nähe zuzulassen. Wenn einer Pflegekraft die Tränen kämen, so die erfahrene Familientrauerbegleiterin, sei das kein Grund, sich bei den Angehörigen zu entschuldigen. Sie warnte außerdem vor falschen Tabus: Kinder, die ein verstorbenes Elternteil nicht sehen dürften, täten sich später oft schwer, den Tod der geliebten Person zu begreifen.

Dr. Barbara Lubenow, Leiterin des Palliativzentrums, nahm ebenfalls an der Fortbildung teil und sieht Bedarf über die Palliativstation hinaus. „Wir haben in letzter Zeit viele Familien begleitet. Trotzdem sind solche Trauersituationen eher selten und treffen zudem immer wieder auf andere Mitarbeitende“, sagt sie. Deshalb öffnete das Team die Reihe für Mitarbeitende der Intensivstation, der Physiotherapie und des Sozialdienstes. Auch Kolleginnen und Kollegen aus dem Thoraxzentrum des EvK Eickel meldeten sich an.

Die große Nachfrage bestätigte die Entscheidung des Fördervereins der Palliativstation darin, die Fortbildung als Pilotprojekt aus Spendenmitteln zu finanzieren. „Wir wissen um die knappen Ressourcen im Krankenhaus und springen hier gern ein“, sagt Schatzmeister Werner Karnik. Mit Hilfe des Fördervereins soll die Palliativstation künftig familienfreundlicher eingerichtet werden, damit in Zukunft zugehörige Kinder in schwerer Zeit Ablenkung und Freude finden können. Außerdem soll die Fortbildungsreihe weitergeführt werden.

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