Musik für Körper, Geist und Seele

Musik für Körper, Geist und Seele

Horst-Hermann Bastert hat eine Kritik über das 17. Sommerkonzert des CVJM-Posaunenchores am 4. Juli in der Kreuzkirche Herne geschrieben.

„Was will der Himmel von uns?“ mit dieser Frage hat Stefan Wilhelm nach einer Eröffnungsmusik von Matthias Nagel die Besucherinnen und Besucher des 17. Sommerkonzerts des CVJM-Posaunenchores in der vollbesetzten Kreuzkirche begrüßt. Es stand unter dem Motto „Um Himmels willen“. Im Lauf des Konzertes wurde deutlich, dass der Himmel sich mit Sprache und Musik so verbindet, dass er unser Leben auf der Erde bereichern und erhellen kann.

Musik setzt auch einen Kontrapunkt gegen den politischen Absolutismus des 17./18. Jahrhunderts, wenn sie sich mit einem der bekanntesten Loblieder an „den mächtigen König der Ehren“ (Joachim Neander) wendet. Den 26 Bläserinnen und Bläser unter Leitung von Stefan Wilhelm gelang es, mit ihrer beschwingten Spielweise die singende Gemeinde mitzunehmen in einen gut gelaunten „Sunday Morning“ von Christoph Georgii. Dass ein guter Sonntagmorgen mit Beten und Singen auch vor dem Hintergrund menschlicher Abschiedserfahrungen möglich sein kann, zeigt der Pop-Klassiker „Tears in Heaven“ von Eric Clapton, für Blasorchester arrangiert von Ulrich Rebmann. „Wird der gestorbene kleine Sohn seine Eltern im Himmel wiedererkennen?“ Diese Frag stellt Clapton in seinem Lied kurz nach dem Unfalltod seines vierjährigem Sohns, der 1991 in New York City aus einem Fenster im 53. Stock gefallen war. Im Himmel werde es am Ende keine Tränen mehr geben. Eine Bestätigung dafür kam mit getragener und tröstlicher Musik.

Gewaltfreiheit und Versöhnung scheinen im politischen Raum auf, wenn der Himmel auf die Erde kommt. Zum Gebet mit Posaunen, das an Martin Luther King erinnert, bildeten die Bläserinnen und Bläser einen großen Kreis im Kirchenschiff und boten mit gleichmäßig gespielten, tiefen Tönen das Gebet für den Baptistenpastor und Bürgerrechtler dar. Mit „With Jesus I can take it“ lässt sich der persönliche Glaube auf befreiende Weise ebenso erleben wie mit der Erkenntnis „My Life is in Your Hands“ – so der Titel eines Liedes von Kirk Franklin. Die Gemeinde nahm den Rhythmus, den Stephan Wittekind am Schlagzeug vorgab, mit Klatschen auf.

An ein weiteres Lebensthema erinnerte „Nessajas Lied“ mit dem Refrain „Ich wollte nie erwachsen sein“ aus dem Musical „Tabaluga und Lilli“ von Peter Maffay. Mit „Disney’s Renaissance“, arrangiert von Jörg Uhlendorff, leitete ein Ohrwurm den populären nächsten Block ein. Hier bekam die Zuhörerschaft die Aufgabe, acht verschiedene Film-Melodien zu erraten und in die richtige Reihenfolge zu bringen. Stefan Wilhelm staunte, dass man mit nur vier Stimmen so viel Musik machen könne. Die Konzertqualität des Chores steigerte sich noch mit der Trompeten-Oberstimme zu „Groovin‘ Easy“ von Tobias Koch mit dem gesteigerten Tempo auf der Zielgeraden mit „Dies ist der Tag“ von Jens Uhlenhoff. Hier erschien die Antwort auf die Himmelsfrage: „Lasst Gottes Willen unter euch wirken!“ (Psalm 118,24)

In der Summe war es ein Konzert, das vom Himmel erzählt, von Gottes Ehre, die „die alte Erde“ erhellt und aufleben lässt. Das bezeugen und verkündigen die Posaunen, indem sie die „freudige Nachricht“ erschallen lassen. Auf dieser Grundlage kann auch ein Michael Jackson die Vision vom Heil der Welt („Heal the World“) aufnehmen. Mit großem Beifall für eine herausragende spielerische Leistung „im Flow“ verabschiedeten sich Chor und Gemeinde voneinander mit zwei Zugaben und mit dem gesungenen Gebet „In allen meinen Taten“. HHB

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