Nachschlag im „besten Beruf der Welt“

Nachschlag im „besten Beruf der Welt“

Pfarrer i.R. Michael Laage versieht in der Kirchengemeinde Wanne-Eickel einen einjährigen Gastdienst, um das das Interprofessionelle Pfarrteam zu unterstützen.

Seit dem 1. Juni unterstützt Michael Laage das Interprofessionelle Pastoralteam der Kirchengemeinde Wanne-Eickel, wo seit einiger Zeit eine Pfarrstelle vakant ist. Der Pfarrer i.R. freut sich, dass er sich nach seinem Eintritt in den Ruhestand vor drei Jahren in Wanne-Eickel mit seinen Erfahrungen einbringen kann. „Die Begegnung und der Austausch mit Menschen, das Vorbereiten von Predigten und das Halten von Gottesdiensten, die Seelsorge – all das hat mir sehr gefehlt“, sagte er. „Außerdem kann ich mich hier auf die pastoralen Aufgaben konzentrieren; mit den administrativen Dingen habe ich allenfalls beratend zu tun.“

Michael Laage ist in Bielefeld aufgewachsen. Nach dem Abitur traute er sich Theologiestudium und Pfarrberuf zunächst nicht zu. „Ich sah mich zu der Zeit nicht auf der Kanzel, war dafür nach meinem damaligen Empfinden zu schüchtern“, so Laage, dessen Plan, Maschinenbau zu studieren, dann aber am fehlenden Verständnis für Physik scheiterte. So kam er dann doch zur Theologie, was für ihn weit besser passte, zumal er in der Kindergottesdienst- sowie Kinder- und Jugendarbeit schon als Jugendlicher in seiner Gemeinde aktiv war. „Heute ist Pfarrer für mich der beste Beruf der Welt“, so Laage. „Er ist vielseitig, lässt mich mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt kommen und gibt mir die Freiheit, meine Arbeitsschwerpunkte entsprechend meiner Gaben zu setzen.“ 

Und in diesem Beruf hat Michael Laage viele unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Nach Vikariat und Hilfsdienst in der Kirchengemeinde Scharnhorst-Schalom („Hier gab es schon in den 80er Jahren ein Teampfarramt.“) ging er zunächst für ein Jahr nach Nicaragua, wo er schon als Student acht Wochen lang ein Projekt in der Solidaritätsbewegung (Hüttenbau im Urwald) begleitet hatte. Vom Dienst freigestellt ging es unter anderem nach Estell und Managua, „wo ich das Leben der Christen kennenlernen wollte.“ Besonders beeindruckt hat den jungen Pfarrer das Leben in einer katholischen Basisgemeinde, in der mit dem Priesteramt aller Gläubigen insofern ernst gemacht wurde, als beispielsweise anstelle einer Predigt ein Bibelgespräch über den Predigttext stattfand. „Außerdem war es ein Leben nicht weit über dem Existenzminimum, sodass hier zwischenmenschliche Beziehungen einen sehr hohen Wert hatten.“

Zurück in Deutschland hatte Laage seine erste Pfarrstelle in Hagen – nur für vier Jahre, weil er nach der Scheidung von seiner ersten Frau einen Neuanfang an einem anderen Ort wollte. Er übernahm dann zunächst einen Beschäftigungsauftrag in der Kirchengemeinde Gelsenkirchen-Buer, wo er den Assessor unterstützte, bevor er 2001 in die Kirchengemeinde Hervest, später Hervest-Wulfen wechselte. Hier lebte er mit seiner zweiten Frau auf einem Hof – zusammen mit Schafen, Ziegen, Hühnern, Gänsen und Enten. „Wir hatten nicht selten Besuch von Konfirmandengruppen, der Frauenhilfe oder Kindergartenkindern“, erinnert sich Laage an das „(Gemeinde-)Leben mit Tieren“, das mit dem plötzlichen Tod seiner zweiten Frau im Jahr 2011 jäh endete und ihn in eine Krise stürzte. „Ich konnte ein Jahr lang keine Trauungen machen – und wenn ich Freizeit hatte, wusste ich kaum etwas mit mir anzufangen“, so Laage. In dieser Zeit habe er dann auf Anraten eines Seelsorgers das Gleitschirmfliegen begonnen, „etwas, wovon ich immer geträumt hatte und was ich immer schonmal machen wollte.“

Mit seiner dritten Frau lebt Michael Laage seit seiner Pensionierung 2023 ein „glückliches Patchwork-Leben“ in Dorsten, zu dem auch seine drei erwachsenen Kinder aus seiner ersten Ehe und die beiden erwachsenen Kinder seiner Frau sowie der Hund Pepe gehören. AR

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