Herne. Das 2023 in Herne mit großem Erfolg gestartete Projekt „Lernen neu denken“ geht weiter. Im Schuljahr 2026/27 werden Drittklässler der Grundschulen Galileo und Kunterbunt im Wald und in der Küche außerhalb des Klassenzimmers Lernerfahrungen machen. Da eine öffentliche Förderung von „Lernen neu denken“ ausgeschlossen ist, teilen sich die Für Euch-Stiftung der Eheleute Alice und Dr. Ludger Kleyboldt, der Verein Ruhrwerk und der Verein „Lernen! in Herne“ die Kosten der Fortsetzung. Die Organisation des Ablaufs liegt auch in der vierten Projektrunde in den Händen der Gesellschaft freie Sozialarbeit (GFS).
Die 2011 von Alice und Dr. Ludger Kleyboldt gegründete Für Euch-Stiftung setzt sich für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche im Ruhrgebiet ein. Ihr Leitmotiv „Handwerkszeug für ein stabiles Leben“ prägt die Stiftungsarbeit. Ausschlaggebend für das Engagement der Stiftung war für den vierfachen Familienvater seine persönliche Verbindung zur Galileo-Grundschule an der Schulstraße in Herne-Mitte. Diese hatte er selbst als Kind mit seinen Geschwistern besucht. „Die Fortführung von ‚Lernen neu denken‘ im dritten Jahr ist für uns ein starkes Zeichen dafür, dass nachhaltige Bildungsförderung Wirkung entfaltet“, so Dr. Kleyboldt. „Kinder brauchen Chancen, ihre Talente zu entdecken, Selbstvertrauen zu entwickeln und Erfahrungen außerhalb des Klassenzimmers zu sammeln.“ Dazu wolle die „Für Euch-Stiftung“ beitragen. „Dass dies an meiner ehemaligen Grundschule geschieht, macht dieses Engagement für mich besonders wertvoll.“
Sonja Mersch freute sich über die Zusage. „Wir haben schon sehnsüchtig auf diese Nachricht gewartet“, sagte die Schulleiterin der Galileo-Schule. Die Drittklässlerinnen und Drittklässler der Innenstadt-Schule sind von dem Projekt begeistert – vor allem wegen der abwechslungsreichen Erfahrungen: Das Projekt verbindet Sinneserlebnisse in der Natur mit praktischem Lernen in der Küche und verknüpft Fächer wie Mathematik, Deutsch und Sachunterricht auf lebendige Weise. Durch ihre Erlebnisse im Wald und beim Kochen konnten die Kinder wertvolle Erfahrungen sammeln, die ihre Eigenständigkeit und ihr Selbstvertrauen weiter gestärkt haben. Die Nachfolge-Klassen seien ebenfalls schon neugierig auf „Lernen neu denken“. „Eine Absage wäre für die Kinder eine große Enttäuschung gewesen“, so Mersch.
247 Grundschulkinder haben im Schuljahr 2025/2026 am Projekt „Lernen neu denken“ teilnehmen können. Dem Engagement von Cordula Klinger-Bischof, Vorsitzende des Vereins Ruhrwerk, der ehemaligen Bildungsdezernentin Gudrun Thierhoff und Dietmar Jäkel von „Lernen! in Herne“ ist es zu verdanken, dass das Projekt „Lernen neu denken“ 2023 erstmals in Herne Fuß fassen konnte. „Für Ruhrwerk zählt am Ende, was bei den Kindern ankommt“, so Klinger-Bischof. „Bei ‚Lernen neu denken‘ erlebe ich, dass Kinder neugieriger werden und plötzlich ganz andere Seiten an sich entdecken. Sie erfahren, dass Lernen nicht nur im Klassenzimmer stattfindet und dass sie selbst etwas können und bewirken können. Genau solche Erfahrungen können Kinder prägen und ihnen neue Perspektiven eröffnen. Und wenn wir sehen, dass ein Projekt Kindern genau diese Chancen gibt, dann dürfen wir es nicht bei einem guten Anfang belassen – dann müssen wir dafür sorgen, dass es weitergeht.“
Auch Lothar Przybyl, Vorsitzender des Vereins „Lernen in Herne!“, macht sich für eine Fortsetzung von „Lernen neu denken“ stark: „Was vor einigen Jahren als Projekt an einer einzelnen Schule begann, konnte dank einer starken Partnerschaft mit weiteren Institutionen ausgebaut werden. Dies ist ein wichtiger Baustein für die Bildung unserer Kinder und Zukunft unserer Stadt. Dank einer kurzfristigen Förderzusage vor Schuljahresbeginn kann es nun weitergehen. Ich danke ausdrücklich allen Beteiligten für die vielfältige Unterstützung.“
Für Frank Köhler, Geschäftsführer der „Gesellschaft freie Sozialarbeit“ (GFS) ist „Lernen neu denken“ inzwischen ein Erfolgsmodell: Das Lernen in Kleingruppen und an ungewöhnlichen, außerschulischen Orten führt nicht nur zu verbesserten Lernerfolgen, sondern auch zu mehr Sozialkompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern. Wir freuen uns, dass es den Vereinen ,Ruhrwerk‘ und ‚Lernen in Herne‘ erneut gelungen ist, ausreichend private Mittel zu akquirieren, um das Projekt auch in diesem Schuljahr fortzuführen. Leider gibt es keine öffentlichen Mittel, um solche sinnvollen Projekte durch eine Regelförderung dauerhaft sicherzustellen.“