Ruhrgebiet. Was im Evangelischen Verbund Augusta (EVA) Ruhr längst gelebte Praxis ist, haben die Verantwortlichen nun noch einmal mit ihrer Unterschrift bekräftigt: Thomas Drathen, Konzerngeschäftsführer Gesundheitswirtschaft im EVA Ruhr, sowie Mario Kleist als Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhauses Hattingen, haben im Rahmen des Hospiz- und Palliativtages für Hattingen, Sprockhövel und Umgebung bei einer Feierstunde im Haus Theresia die „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen“ unterzeichnet. Die Charta setzt sich für Menschen ein, die aufgrund einer fortschreitenden, lebensbegrenzenden Erkrankung mit Sterben und Tod konfrontiert sind. Ihr Ziel ist eine bedarfsgerechte, würdevolle und an den Wünschen der Betroffenen ausgerichtete Begleitung bis zum Lebensende. Außerdem soll das gesellschaftliche Bewusstsein für die Themen Sterben, Tod und Trauer gestärkt werden. Mit ihren Unterschriften unterstreichen Thomas Drathen und Mario Kleist, dass die Einrichtungen von EVA Ruhr, zu dem auch die Evangelischen Krankenhäuser in Castrop-Rauxel und Herne mit ihren Palliativstationen gehören, sich für die Grundsätze der Charta starkmachen.
Fünf Leitsätze beinhaltet die Charta:
- Recht auf Würde und Selbstbestimmung
Jeder Mensch hat das Recht, bis zum Schluss respektiert zu werden und selbst zu entscheiden, wie und wo er gepflegt und betreut werden möchte. - Umfassende Betreuung
Schmerzen, Angst und andere belastende Symptome müssen durch eine professionelle Palliativversorgung (Linderung von Leiden) bestmöglich behandelt werden. - Psychosoziale und spirituelle Begleitung
Neben der körperlichen Pflege ist auch die seelische, menschliche und religiöse Unterstützung für die Betroffenen und ihre Familien wichtig. - Aus- und Weiterbildung
Alle Menschen, die Sterbende betreuen – ob Ärzte, Pflegekräfte oder Ehrenamtliche – müssen dafür gut ausgebildet und fortlaufend geschult werden. - Forschung und Weiterentwicklung
Die Pflege und Betreuung am Lebensende muss durch wissenschaftliche Forschung und den Austausch mit anderen Ländern ständig verbessert werden.
In der Praxis bedeutet das, dass Pflegeheime zum Beispiel strukturierte Gespräche anbieten, in denen frühzeitig festgelegt wird, wie im Notfall gehandelt werden soll, um unnötige Krankenhauseinweisungen am Lebensende zu vermeiden. Regelmäßige Schmerz-Checks sollen helfen, Schmerzen rechtzeitig zu erkennen und in Absprache mit Palliativärzten sofort zu lindern. In Krankenhäusern werden schon bei der Aufnahme Patientenverfügungen erfasst, um den Willen und die Selbstbestimmung des Patienten strikt zu respektieren. Bei der Behandlung auf den Palliativstationen, wo ein breit aufgestelltes Experten-Team im Einsatz ist, steht zudem nicht mehr die Heilung, sondern die Linderung von Leiden im Vordergrund.
„Die Charta steht für eine Kultur des Respekts, des Zuhörens und des Beistands. All das sind Werte, die in der Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen unverzichtbar sind“, betont Konzerngeschäftsführer Thomas Drathen. EvK-Geschäftsführer Mario Kleist ergänzt: „Mit der Unterzeichnung setzen wir ein starkes Zeichen für eine würdevolle Begleitung am Lebensende.“
Die Charta wurde 2007 als internationales Projekt gestartet. In Deutschland übernahmen ab 2008 die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, der Deutsche Hospiz- und Palliativverbands sowie die Bundesärztekammer die Initiative. Bis heute zählt sie über 3100 Organisationen sowie knapp 33000 Einzelpersonen als Unterstützer. Mit EVA Ruhr als einen der größten evangelischen Verbünde für Gesundheit und Soziales mit seinen vielen Standorten im Herzen des Ruhrgebiets ist der Kreis der Unterstützter nun weiter gewachsen.