Herne. Darf man am Sterbebett lachen? Christoph Gilsbach sagt Ja. Der Pantomime und Klinik-Clown aus Münster machte eine Fortbildung des Ambulanten Hospizdienstes Herne zu einem bewegenden Erlebnis. Haupt- und Ehrenamtliche von Hospizdienst und Palliativstation im Evangelischen Krankenhaus Herne im Gemeindezentrum Herz Jesu hörten zu, staunten, lachten und weinten zusammen. Der Förderverein Palliativstation im EvK Herne und Ambulanter Hospizdienst bezahlte die Fortbildung aus Spenden.
Zum Auftakt begrüßte Schirmherr Thorsten Kinhöfer die Gäste. Der TV-Schiedsrichter sammelt seit Jahren Spenden für den Förderverein – mit großem Erfolg. „Der Einsatz für die Palliativstation und den Hospizdienst ist mir eine echte Herzensangelegenheit“, sagte er. „Die Zeitschenkerinnen und Zeitschenker lassen sich intensiv für ihr Ehrenamt ausbilden. Sie opfern ihre Freizeit, damit Menschen am Ende des Lebens gut begleitet werden und nicht einsam sein müssen. Ihnen gebührt ein riesengroßes Dankeschön.“ Kinhöfer versprach, den Förderverein weiter zu unterstützen. „Sie können sicher sein, dass ich auch in Zukunft immer mit Herzblut an Ihrer Seite stehen werde.“
Danach trat Christoph Gilsbach als Professor Spaghetti vor das Publikum. Sein Handwerk lernte er an der Folkwang-Hochschule in Essen. Mit seiner Figur besucht er seit 1998 Patienten jeden Alters am Universitätsklinikum Münster. In seinem Vortrag „Humor in der Sterbebegleitung“ erzählte er aus seinem Alltag als Klinik-Clown und aus seiner Arbeit in Hospizen. Seine Botschaft: Humor ist eine Haltung. Wer sie pflegt, nimmt sich selbst und andere so an, wie sie sind. „Auch am Ende des Lebens wird gelacht“, sagte Gilsbach. „Wer das zulässt, kommt Menschen näher.“ Koordinatorin Karola Rehrmann sah darin einen Kern der Hospizarbeit: „Wir begegnen Menschen in ihrer schwersten Zeit. Ein Lächeln nimmt dem Moment nichts von seinem Ernst. Es macht ihn leichter zu tragen.“
Nach einer Pause stand Gilsbach erneut auf der Bühne, diesmal als Heribert, der Wanderer. In Knickerbockern und Ballonmütze öffnete er seinen Koffer. Darin lagen ein Reisewecker, ein Stundenglas, Fotos und eine Lebenswaage. Mit Pantomime, Gedichten und kleinen Zaubertricks erzählte Heribert Geschichten vom Weg. Er sprach das Publikum direkt an und weckte Erinnerungen. Frank Lienemann aus Münster begleitete ihn am Saxophon. „Heribert hat uns daran erinnert, wie viel Leben in jedem Abschied steckt“, sagte die Koordinatorin Anja Schröder. „Genau das erleben unsere Ehrenamtlichen bei jeder Begleitung.“
Für die Koordinatorinnen war der Abend auch ein Dankeschön an ihre Ehrenamtlichen. Sie besuchen schwer kranke Menschen zu Hause, im Krankenhaus und in Einrichtungen der Alten- und Eingliederungshilfe. „Wer Sterbende begleitet, nimmt auch etwas mit nach Hause, was einen weiter beschäftigt“, sagte Karin Leutbecher. „Ein Abend wie dieser gibt Kraft zurück. Für die Möglichkeit, ein zentrales Thema auf so unterhaltsame Weise präsentieren zu dürfen, danken wir dem Förderverein und allen Spenderinnen und Spendern.“
Wer das Ehrenamt näher kennenlernen und Zeitschenker werden möchte, kann einen Informationsabend am Dienstag, 6. Oktober 2026, von 17 bis 18.30 Uhr im Gemeindezentrum Herz Jesu an der Düngelstraße 34 in Herne, besuchen. Der neue Vorbereitungskurs zum Thema ambulante Sterbebegleitung startet am Samstag, 24. Oktober. Eine Anmeldung ist ab sofort möglich.