Pfarrer Harald Rohr startete 1976 mit zwei Zivis

Pfarrer Harald Rohr startete 1976 mit zwei Zivis

1976 eröffnete der Kirchenkreis Herne das „Informationszentrum Dritte Welt“. Gefeiert wurde das 50-jährige Jubiläum am 26. Juni im Gemeindehaus an der Matthäuskirche in Herne-Baukau.

Herne. Am 26. Juni hat die Fachstelle Eine Welt des Kirchenkreises Herne im Gemeindehaus an der Matthäuskirche in Herne-Baukau ihr 50-jähriges Jubiläum gefeiert. Knapp 100 Gäste waren gekommen – unter ihnen Synodalassessor Pfarrer Hans-Paul-Ullrich in Vertretung von Superintendentin Claudia Reifenberger, der Herner Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda, der Leiter des Dezernats für Mission und Ökumene in der Evangelischen Kirche von Westfalen, Landeskirchenrat Dr. Albrecht Philipps, der ehemalige Geschäftsführer des Eine Welt Zentrums, Pfarrer i.R. Martin Domke, Karin Rohr, die Witwe des ersten Geschäftsführers Harald Rohr, Ex-Zivis und Ehrenamtliche.

Pfarrer Ullrich machte in seinem Grußwort an der zweimaligen Namensänderung der Fachstelle die Entwicklung fest. Der erste Titel „Informationszentrum Dritte Welt“ sei geändert worden, weil der Begriff „Dritte Welt“ die Perspektive der westlichen Welt auf die Länder des Südens darstelle, die sich anmaßten, die Länder der so genannte ‚Dritten Welt‘ entwickeln zu können. „So war die Umbenennung der Einrichtung in „Eine Welt Zentrum“ konsequent“, sagte Ullrich. „Dieser neue Name stellte Augenhöhe her; nicht die so genannte ‚Erste Welt‘ entwickelt die ‚Dritte Welt‘, sondern: Entwicklung geschieht in allen Ländern der Einen Welt – und über unterschiedliche Entwicklungen gibt es einen Austausch auf Augenhöhe.“ Die Umbenennung zu „Fachstelle Eine Welt“ habe die Mitarbeitenden belastet, „weil er suggeriert, dass es sich um eine riesige Einrichtung mit vielen Arbeitsbereichen und Mitarbeitenden handelt.“ 

Das Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung habe sich in all den Jahren nicht verändert, betonten Ullrich und FEW-Geschäftsführer Steffen Wilmink ebenso wie Dr. Albrecht Philipps, der die politische Einflussnahme der Kirchen als bleibend wichtig bezeichnete – „überall da, wo die Idee der einen Menschen aufgekündigt wird.“ In diesem Sinne dankte er den Mitarbeitenden, dass sie immer wieder im politischen Diskurs ihre Stimme erheben.

Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda bezeichnete die Fachstelle Eine Welt als „starkes Zeichen für Solidarität, Menschlichkeit und sozialen Zusammenhalt.“ Gerade in dieser Zeit, in der Kriege, Flucht und gesellschaftliche Herausforderungen viele Menschen bewegen, sei dieses Engagement wichtiger denn je. „Was 1976 mit großem Engagement begann, ist heute aus unserer Stadtgesellschaft nicht mehr wegzudenken“, sagte er.

Nach einer Essenspause mit vielen Gesprächen und Erinnerungsaustausch unter den Festgästen unternahm Flüchtlingsberaterin Katja Jähnel stellvertretend für das Team einen Streifzug durch die Geschichte der Einrichtung. Sie erinnerte an die Anfänge, als Pfarrer Harald Rohr aus der Kirchengemeinde Baukau in eine kreiskirchliche Stelle wechselte, um das „Informationszentrum Dritte Welt“ aufzubauen. „Er glaubte an eine bessere Welt – nicht als romantischen Traum, sondern als Auftrag.“ Diesem Auftrag gemäß habe das stetig wachsende Team sich gestellt – Flüchtlinge durch den Behördendschungel begleitet oder auch Zwangsprostituierte und von Gewalt betroffene Migrantinnen. „Menschenhandel ist keine Geschichte aus fernen Ländern, sondern eine Realität mitten unter uns“, sagte Jähnel, bevor sie die Prägung des Zentrums durch Rohrs Nachfolger Pfarrer Martin Domke würdigte, den „Wanderer zwischen den Welten Herne und dem Kirchenkreis Bukavu im Kongo, wo er die Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Herne gestaltete und den Bau von Ausbildungszentren, Schulen oder Fußballplätzen begleitet habe. 

In den letzten Jahren sei das Budget und die personelle Ausstattung kleiner geworden, so dass der jetzige Geschäftsführer Steffen Wilmink nun die Aufgabe habe, mit weniger Mitteln und neuen Ideen, das „Schiff Fachstelle Eine Welt“ auf Kurs zu halten. Mit einer Fokussierung auf Beratung und Bildung ist die Fachstelle auf könne das gelingen. „Wir machen weiter, denn am Ende geht es um uns“, so Jähnel. „Ob Ökologie, ob Klima, ob Frieden, ob Menschenrechte – alles hängt mit allem zusammen.“ AR

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