Seit dem 15. März ist in der Herner Kreuzkirche am Europaplatz die Ausstellung „Feldwege zum Coming-out“ der Landesfachstelle blick* zu sehen. Sie wandert durch Kirchen und Gemeinden in Westfalen – Herne ist die erste Station. Auf zwölf Roll-ups werden queere Lebensgeschichten sicht- und hörbar und zeigen, wie vielfältig Erfahrungen von Identität, Glauben, Familie, Gemeinschaft und Zugehörigkeit sind – und welchen Herausforderungen queere Menschen begegnen. Anhand der persönlichen Biografien, Fotografien und Texten eröffnen ihre Geschichten Einblicke in individuelle Lebenswege. Die Ausstellung lädt dazu ein, Perspektiven zu wechseln, Vorurteile zu hinterfragen und über ein respektvolles und wertschätzendes Miteinander ins Gespräch zu kommen.
Der Herner Pfarrer Thorsten Maruschke hat durch das Queere Netzwerk der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) von der Ausstellung erfahren. Er hatte die Idee, sie nach Herne zu holen und mit einem queersensiblen Feiertag zu verbinden. „Die Ausstellung findet anlässlich des Transgender day of visibility am 31. März statt“, sagte er. „Dabei geht es darum, sichtbar zu machen, dass queere Menschen einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten.“ Maruschke erinnerte an die Schuldgeschichte von Gesellschaft und Kirche gegenüber queeren Menschen. „Diese Ausstellung zeigt, dass wir als Kirche alle Menschen darin unterstützen, die sein zu können, die sie sind –so wie Gott sie geschaffen hat.“
Superintendentin Claudia Reifenberger freut sich, dass die Wanderausstellung als erstes in Herne Station macht. Sie unterstreicht, wie wichtig die Sichtbarkeit von queerem Leben in der Kirche ist. „Wenn wir ernst nehmen, dass Gott den Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen hat, dann heißt das: Queere Menschen sind kein Fehler der Schöpfung Gottes, sondern genau so gewollt“, so Reifenberger. „Diese Ausstellung zeigt genau das.“
Entstanden ist die Ausstellung durch ein Kooperationsprojekt der Landesfachstelle blick* und des DemokratieBüros „Vielfalt lieben“ im Kreis Paderborn. Sie soll einen Einblick in verschiedene echte, queere Identitäten geben und die Kurven, Stolpersteine aber auch schönen Erlebnisse ihrer individuellen Wege zu sich selbst beleuchten. Jana Hansjürgen, Leiterin der Landesfachstelle blick* LSBTIQ* Strukturen im ländlichen Raum, freut sich, dass die Ausstellung nun auch durch kirchliche Orte in Westfalen tourt. „Diese Ausstellung präsentiert mutige Personen, die Vorbilder für viele queere Menschen sein können.“
13 Ausstellungssets sind mittlerweile in Nordrhein-Westfalen unterwegs, die Evangelische Kirche von Westfalen hat eines davon erworben. Nicole Richter, Gleichstellungsbeauftragte der EKvW und Leiterin des Fachbereichs Frauen, Männer, Vielfalt im Institut für Kirche und Gesellschaft, sieht die Ausstellung als einen Baustein in der Umsetzung eines zukunftsweisenden Beschlusses. „Im Juni 2022 hat die Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen den Beschluss gefasst, queersensibler zu werden – nach innen und nach außen.“, erläuterte sie. „Das bedeutet, Menschen bewusst in ihrer sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt zu sehen und wertzuschätzen. Als Evangelische Kirche von Westfalen setzen wir damit ein bewusstes Zeichen: Wir sind auf dem Weg – zu mehr Queer-Sensibilität und Gerechtigkeit. Wir bieten sicherere Räume für Austausch und Begegnung.“
Weitere Informationen zur Arbeit von blick* und zu der Ausstellung gibt es unter www.blick-landesfachstelle.de. Hier sind auch alle Geschichten nachzuhören.
Die Ausstellung ist noch bis zum 31. März in der Kreuzkirche zu sehen; Öffnungszeiten sind dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr sowie mittwochs und freitags von 10.30 bis 12.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Folgende Veranstaltungen sind begleitend zur Ausstellung geplant:
Am Donnerstag, 26. März, 18 Uhr, wird im Kinosaal des LWL-Museums für Archäologie und Kultur der Film „Mein Sohn Helen“ gezeigt. Es geht um einen Teenager, der nach einem 12-monatigen USA-Aufenthalt zu seinem Vater zurückkehrt und sich als trans outet. In einem Nachgespräch mit Superintendentin Claudia Reifenberger und Christina Ernst, einer queeren Prädikantin aus der Dortmunder Lydia-Gemeinde, geht es um die Frage „Wie lebt es sich als Trans*Person in der Kirche?“ Der Eintritt ist frei.
Am Dienstag, 31. März, 16-18 Uhr vor der Kreuzkirche am Europaplatz in der Herner Innenstadt gibt es einen Flashmob zum Transgender day of visibility. Hier werden Statements aus der queeren Szene, von Superintendentin Claudia Reifenberger und einem Vertreter der Stadt Herne verlesen, bevor Luftballons in Trans*Farben gen Himmel geschickt werden.