Kolonialwarenläden auch in Herne

Kolonialwarenläden auch in Herne

In einem Vortrag berichtete der Historiker Dr. des. Daniel Sobanski über Spuren des Kolonialismus in Herne.

Am 12. und 19. März gab es in der Herner Volkshochschule Vorträge über koloniale Spuren in Herne. Zweiter Veranstalter neben der VHS war die Fachstelle Ein Welt des Kirchenkreises Herne. Zum Auftakt hat der Historiker Dr. des. Daniel Sobanski über den Forschungsstand zur Herner Kolonialgeschichte berichtet.

„Deutschland war eine verspätete Kolonialmacht“, sagte er. „Ihre kurze Geschichte (1884-1919) war dennoch ein grausame.“ Und deutsche Kolonialpolitik sei nicht nur in den Handels- und politischen Zentren wie Hamburg oder Berlin gemacht worden. „Kolonialismus war Teil des Alltags – auch in Ruhrgebietsstädten wie Herne und Wanne-Eickel.“ Soldaten aus den beiden Städten waren auch an Kolonialkriegen in China (1900-1901), Namibia (1905) und Tansania (1905-1907) beteiligt. Dabei gab es jeweils viele Tausende Opfer unter der einheimischen Bevölkerung. 

Der Krieg gegen die Nama und Herrero im heutigen Namibia gilt als erster Völkermord im 20. Jahrhundert. Unterstützung habe die blutige Kolonisierung und Ausbeutung durch die deutsche Kolonialgesellschaft gefunden. Der Herner Ableger wurde 1903 gegründet und zu ihren Mitgliedern zählten die Honoratioren der Stadt. Die wirtschaftlichen Verflechtungen zu den Kolonien seien in Herne nicht so stark gewesen wie in anderen Ruhrgebietsstädten, aber auch hier habe es Kolonialwarenläden gegeben. „Eine Besonderheit in Herne war die Beteiligung der Hibernia AG an einem Bergbauunternehmen in der deutschen Kolonie Kiautschou in China“, so Sobanski. 

Nach dem 1. Weltkrieg habe Deutschland nach dem Versailler Vertrag seine Kolonien aufgeben müssen. „Viele deutsche Kolonialverbände akzeptierten den Vertrag nicht und forderten die Rückgabe der Kolonien“, sagte Sobanski. „Hier gab es große Schnittmengen mit der NSDAP, die den Versailler Vertrag ebenfalls ablehnte.“ Nach der Machtergreifung 1933 habe es auch in Herne und Wanne-Eickel eine große Kolonialausstellung sowie große Umzüge sog. Kolonialappelle für die Rückgewinnung der Kolonien gegeben.

Noch heute seien viele Spuren des Kolonialismus in Herne nicht untersucht und nur an sehr wenigen Stellen in der Stadt seien sie offensichtlich. Dazu gehöre das Kriegerdenkmal an der Holsterhauser Straße. Neben Opfern des 1. Weltkriegs und des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 finden sich dort die Namen von zwei Soldaten aus Kolonialkriegen. Einer davon sei auch an dem Völkermord an den Herrero beteiligt gewesen. Daniel Sobanski unterstützt deshalb die Forderung der Fachstelle Eine Welt des Kirchenkreises Herne nach einer Kontextualisierung und historischen Einordnung des Denkmals durch die Stadt Herne. MH

 

 

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