Gestaltung der Zukunft im Blick

Gestaltung der Zukunft im Blick

Die Synode des Kirchenkreises Herne tagte am 13. Juni im Gemeindehaus Crange der Kirchengemeinde Wanne-Eickel.

Wanne-Eickel. Am 13. Juni hat die Synode des Kirchenkreises Herne im Gemeindehaus der Kirchengemeinde Wanne-Eickel an der Unser-Fritz-Straße getagt. Die Tagung startete mit einem Gottesdienst in der Lutherkirche in Crange; anschließend ging es im Gemeindehaus weiter mit Grußworten. Die Herner Bürgermeisterin Gabriele Przybyl überbrachte die Grüße von Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda. Mit Blick auf die geplanten Strukturveränderungen äußerte sie ihren Respekt, „dass Sie nicht abwarten, sondern den Wandel konstruktiv gestalten“. Sie betonte die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Kirche für das Gemeinwohl und dankte für die konstruktive Zusammenarbeit mit der Kommune. Dechant Ludger Plümpe und Dekan Samuel Gümüs hatten die Grüße der katholischen Kirche und der syrischen Gemeinde Herne im Vorfeld übermittelt.

Zukunft der Partnerschaft mit Bukavu
Als nächstes stand die Partnerschaft des Kirchenkreises Herne mit dem Kirchenkreis Bukavu in der Demokratischen Republik Kongo auf der Tagesordnung. Nach dem Ruhestand von Pfarrer Martin Domke, dem ehemaligen Geschäftsführer des Eine Welt Zentrums (jetzt: Fachstelle Eine Welt), war die Partnerschaft vom Kirchenkreis weitergeführt worden, wobei sich die Ausgestaltung auf E-Mail-Kontakte zwischen den jeweiligen Kirchenkreisleitungen und regelmäßige finanzielle Zuwendungen aus dem Kirchenkreis Herne beschränkte.

Die Partnerschaft wird jetzt von einer Steuerungsgruppe getragen. Pfarrer Sven Teschner aus der Kirchengemeinde Castrop-Rauxel-Nord, Martina Abendroth, Monika Bölke, Sonja Heese, Stefan Knauf und Thomas Nießen haben die Verantwortung übernommen für die Kommunikation mit den Partnern in Bukavu, die Gewinnung von Direktpartnerschaften beispielsweise zwischen Kindergärten oder Chören oder die Planung und Durchführung von Begegnungen. 
Für diese Arbeit stellt der Kirchenkreis 25.000 Euro – 10.000 als jährliche Zuwendung an den Partnerkirchenkreis im Kongo, 15.000 Euro für Reisen oder Projekte – zur Verfügung, wovon ein Teil aus Spenden finanziert oder aus landeskirchlichen Ökumenemitteln refinanziert werden können.

Strukturanpassungen im Kirchenkreis Herne
Die Kreissynode hatte auf ihrer Tagung im November 2025 eine strategische Ausrichtung des Kirchenkreises Herne bis 2030 beschlossen. In diesem Zusammenhang erinnerte Superintendentin Claudia Reifenberger an die Ausgangslage – das erstmalige Haushaltsdefizit, die weiter zu erwartende Verringerung der zur Verfügung stehenden Ressourcen und die Erfordernis, die Ausgaben bis 2030 um 2,4 Millionen Euro (von 9,3 auf 6,9 Millionen Euro) zu reduzieren.
Gemeinden und Referatsleitungen müssen nun für jedes Handlungsfeld konkrete Maßnahmen und einen Zeitplan vorlegen, wie verabredete Einsparziele erreicht werden sollen – und regelmäßig über Fortschritte berichten.

Superintendentin Reifenberger nahm in diesem Zusammenhang besonders die Kindergartengemeinschaft und das Schulreferat des Kirchenkreises in den Blick: 
Die Synode hatte im Jahr 2011 den Grundsatzbeschluss gefasst, dass maximal eine Million Euro pro Jahr in die Kindergartengemeinschaft fließen. Diese Grenze sei nie eingehalten worden. „Im Kindergartenjahr 2024/ 2025 lag die Finanzierung 38 Prozent über dem verabredeten Betrag, Tendenz seitdem steigend“, so Reifenberger. „Überdies gibt es die Gebäude betreffend einen Sanierungsstau in Höhe von nahezu 8 Millionen Euro“, ergänzte Verwaltungsleiterin Carrie Bettenhausen in ihren Erläuterungen zum Haushaltssicherungskonzept, das die Verwaltung erstellen muss, weil der Mehraufwand derzeit nur durch Rücklagenentnahmen gedeckt werden kann.
Im Ergebnis übersteigen die Kosten für die Kindergartengemeinschaft die finanziellen Möglichkeiten des Kirchenkreises deutlich. Deshalb werde derzeit ein Wechsel zu einem anderen kirchlichen Träger in Betracht gezogen – eine entsprechende Prüfung laufe. „Weil der Trägerwechsel nicht sicher ist, arbeiten wir derzeit daran, kleinere oder ineffiziente Kita-Standorte zu bündeln und größere, stabile Einheiten zu schaffen – immer im Dialog mit den Kommunen“, so Bettenhausen. 
Aufgrund der großen Bedeutung der Kindergartenarbeit wird sich die Kreissynode am Freitag, 25. September, auf einer Sondertagung mit der Zukunft seiner Kindergartengemeinschaft auseinandersetzen.

Weil der Religionsunterricht an allgemeinbildenden Schulen in gemeinsamer Verantwortung von Staat und Kirche durchgeführt wird, ist die Unterstützung des konfessionellen Religionsunterrichts eine Pflichtaufgabe der Kirchen. Um diese Arbeit zu sichern und eine Einsparung zu erzielen, planen die sechs Ruhrgebietskirchenkreise Bochum, Dortmund, Gelsenkirchen und Wattenscheid, Gladbeck-Bottrop-Dorsten, Herne und Recklinghausen eine Zusammenlegung ihrer Schulreferate an einem bis zwei Standorten mit einem verringerten Personalschlüssel.

Kirche im Wandel

Dr. Ralf Henning Krause, Oberkirchenrat und Finanzdezernent der Evangelischen Kirche von Westfalen, hielt zum Thema „Kirche im Wandel: Herausforderungen durch sinkende Kirchensteuereinnahmen und Konflikte im Transformationsprozess“ ein Impulsreferat. 
„Es geht darum, dass künftige Generationen nicht unsere Lasten erben und dass wir das anvertraute Geld da einsetzen, wo es wirklich wirksam ist“, sagte Krause. „Die Gießkanne ist fürs Geldverteilen das falsche Gerät.“ Insofern brauche es Transformationsprozesse, wie sie der Kirchenkreis Herne mit seinem Strategieprozess angestoßen hat.
Gemeindevereinigungen oder die Reduktion von Gebäuden sorge für Konflikte, weil das Herz an dem Altbekannten oder eben an bestimmten Gebäuden hänge. „Es besteht die Gefahr, die sachliche Ebene mit der persönlichen Ebene zu vermischen“, sagte er und erinnerte an die Bedeutung von „Synode“, was nichts anderes heiße als „Gemeinsamer Weg“. Insofern sei der Auftrag an alle Synodalen, in Anerkennung der Begrenztheit der eigenen Erkenntnis Wege mitzugehen, die man u­ter Umständen selbst nicht für richtig halte.

Vorläufiges Klimaschutzkonzept
In einem engen Zusammenhang mit den Ausführungen Krauses stand das vorläufige Klimaschutzkonzept, das Klimaschutzmanagerin Dr. Vera Schauberger (ehemals Köpsel) der Synode vorstellte. Schauberger hat in den vergangenen Monaten Energieverbräuche aufgrund der Bewirtschaftung der Liegenschaften oder von Dienstfahrten ermittelt und CO2-Bilanzen berechnet. Auf dieser Grundlage stellte sie nun der Synode vor, wie beispielsweise durch Gebäudereduktion, Sanierungen, Nutzung erneuerbarer Energien etc. die CO2-Bilanz verbessert werden kann. 

Beispiel Gebäude
Was die Gebäude betrifft, sind die Gemeinden aufgefordert, nicht nur auf Grundlage der notwendigen strukturellen Veränderungen (s.o.), sondern auch aus Gründen des Klimaschutzes, Gebäudekonzepte zu erstellen – jeweils gemeinsam für die Synodalregionen Castrop-Rauxel, Herne und Wanne-Eickel.
Um den Gebäudebedarf zu ermitteln, dient die Kennzahl „Quadratmeter pro Gemeindeglied“ als Kriterium. Als Orientierungswert gilt hierbei eine Zielgröße von etwa 0,75 m² pro Gemeindemitglied. Ergänzend zur Gesamtkennzahl erfolgt eine gebäudebezogene Betrachtung anhand weiterer Kriterien. Dazu gehören Auslastungsquote, Bedeutung des Gebäudes für Gemeinde und Stadtteil, Barrierefreiheit, Investitionsbedarf, Potenzial zur energetischen Sanierung etc. Diese und weitere Kriterien dienen dazu, einzelne Gebäude differenziert zu bewerten.
Ziel der Bewertung ist es, transparente und nachvollziehbare Entscheidungen zu ermöglichen sowie den Gebäudebestand langfristig bedarfsgerecht, wirtschaftlich tragfähig und klimaschutzorientiert weiterzuentwickeln.

Weitere Maßnahmen
Als weitere Maßnahmen empfiehlt Dr. Vera Schauberger unter anderem die Ausweitung der Nutzung von Ökostrom, den Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien etwa durch Photovoltaikanlagen auf Dachflächen, die Einführung nachhaltiger Heizungssysteme (Wärmepumpen), energetische Sanierungen etwa in den Bereichen Wärmedämmung oder Fenster, Umrüstung auf LED-Beleuchtung, durchgängige Elektrifizierung der Fahrzeugflotte, Einführung eines Jobtickets, vermehrte digitale Durchführung von Sitzungen, Mobiles Arbeiten/ Desk-Sharing etc. 

Umsetzung
Um die erforderlichen Maßnahmen umsetzen zu können, werden seit 2021 jährlich vier Prozent der Kirchensteuereinnahmen zurückgelegt. Bis heute hat der Kirchenkreis Herne dieses Geld auf eine Summe von rund einer Million Euro angespart. Gemeinden können sich aus diesem Topf um Zuschüsse für z.B. Bauvorhaben im Sinne des Klimaschutzes bewerben. Voraussetzung ist hier u.a. ein von Kreissynodalvorstand und Landeskirche genehmigtes Gebäudekonzept in der jeweiligen Synodalregion.

Die Kreissynode hat das vorgelegte Klimaschutzkonzept mit neun Enthaltungen beschlossen. Darüber hinaus stellte sie den Antrag an die Synode der Evangelischen Kirche von Westfalen, den Zeitrahmen zur Umsetzung des Klimaschutzkonzepts an die Frist des Bundes bis 2045 zu verlängern.

Diakonisches Wirken im Fokus - Zukunft des Zeppelinzentrums
Auf ihrer Tagung im November 2025 hatte die Kreissynode beschlossen, den finanziellen Anteil für diakonisches Wirken zu erhöhen. Hier ist in erster Linie die Zukunft des Arbeitslosen- und Begegnungszentrums Zeppelin in Wanne-Eickel im Blick, weil die Arbeit der Schuldnerberatung in hohem Maße refinanziert wird. Obschon auch die Arbeit des Zeppelinzentrums vom Land NRW und durch den europäischen Sozialfonds gefördert wird, trägt der Kirchenkreis für diesen Arbeitsbereich gut 100.000 Euro pro Jahr. Nach dem Verkauf des Gebäudes an der Zeppelinstraße muss hier geprüft werden, wie die Arbeit fortgesetzt werden kann. Derzeit ist die Einrichtung an ihrem langjährigen Standort geduldet, aber nur so lange, bis der Investor Eigenbedarf anmeldet.
Dagmar Spangenberg-Mades, die langjährige Leiterin des Zeppelinzentrums betonte in ihrer Einbringung die hohe Bedeutung der Beratungsarbeit „Armut und Arbeitslosigkeit stellen mehr denn je die größte gesellschaftliche Herausforderung dar“, sagte sie. „Das Ruhrgebiet gilt als armutspolitisches Zentrum; 23 Prozent der Familien beziehen Grundsicherung, betroffen sind mehr als 5000 Kinder.“

Die Kreissynode hat die zeitlich befristete Einsetzung einer Arbeitsgruppe beschlossen. Sie erhielt den Auftrag, Szenarien zur Zukunft des Arbeitslosenzentrums Zeppelin entwickeln und der Kreissynode am 14. November 2026 zur Beschlussfassung vorlegen. AR

 

  • Pfarrerin Denise Bongers und Pfarrer i.R. Michael Laage hielten den Synodengottesdienst.
  • Laura Hoffmann, Marita Wolniak, Pfarrer Sven Teschner (Skriba), Superintendentin Claudia Reifenberger, Pfarrer Hans-Paul-Ullrich (Assessor), Thomas Nießen, Ulrich Stückemann und Klaus-Dieter Gülck bilden den Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Herne.
  • Bettina Gesing legte vor ihrer ersten Teilnahme an der Tagung der Synode das Gelöbnis ab. FOTOS: ARND RÖBBELEN

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