Engagement für Menschenrecht auf Nahrung

Engagement für Menschenrecht auf Nahrung

Roman Herre, Agrarreferent der Menschenrechtsorganisation FIAN, zeigte den Zusammenhang von Welternährung und Klimakrise auf

Herne. Auf Einladung der Fachstelle Eine Welt des Kirchenkreises Herne und der Volkshochschule Herne hat Roman Herre, Agrarreferent der Menschenrechtsorganisation FIAN, am 16. April über das Thema „Welternährung und Klimakrise“ referiert. FIAN setzt sich für das Menschenrecht auf Nahrung ein. Die deutsche Sektion der internationalen Organisation, wurde vor 40 Jahren in Herne u.a. von Pfarrer Harald Rohr mitgegründet.

Herre verdeutlichte, dass es global gesehen keinen Mangel an Lebensmittel gebe. Nach Angaben der UNO könnten zehn Milliarden Menschen ernährt werden. Dennoch leiden mehr als 700 Millionen unter Hunger. Die Ursachen seien vielfältig. „Sie reichen von Kriegen und Konflikten, Armut, Landvertreibungen, Spekulation mit Nahrung bis hin zu den Auswirkungen der Klimakrise“, so Herre. „Interessant ist auch, dass weltweit immer weniger Getreide wie Weizen oder Mais für die menschliche Ernährung angebaut wird, sondern dass über die Hälfte für Viehfutter, Biosprit oder Energieerzeugung verwendet wird.“ In Deutschland sei das Verhältnis noch extremer – mehr als 80 Prozent des Getreides dienten nicht mehr direkt der menschlichen Ernährung.

Die Auswirkungen der Klimakrise wie steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und extreme Wetterereignisse bedrohen die ohnehin fragile Versorgungslage in vielen Regionen. Bei einem Temperaturanstieg von 1,5 Grad müsse beispielsweise bei der Maisernte mit einem Ertragsrückgang von 10 Prozent gerechnet werden. Auch der Nährstoffgehalt bei vielen wichtigen Nahrungspflanzen würde sich deutlich verringern. Außerdem drohe der Verlust an fruchtbarem Ackerland z.B. durch Überschwemmungen, Starkregen oder langanhaltende Hitzeperioden. „Aber auch sogenannte Klimaschutzmaßnahmen, wie z.B. der Anbau von Energiepflanzen für Biosprit oder für die „grüne“ Stahlproduktion verringern die lokale Nahrungsmittelproduktion“, sagte der Referent des Abends.

Als Alternative zur industriellen und profitorientierten Landwirtschaft sieht Herre das Konzept der Agrarökologie. „Agrarökologie ist ein ganzheitlicher Ansatz, der ökologische Prinzipien, nachhaltige Landwirtschaft und soziale Gerechtigkeit verbindet“, sagte er. „Sie zielt darauf ab, Agrarsysteme durch lokale Anpassung, geschlossene Kreisläufe und Biodiversitätsförderung – ohne chemisch-synthetische Inputs – krisenfest zu machen.“ Sie umfasse Wissenschaft, Praxis und soziale Bewegungen. 

Eine dieser Bewegungen ist „La Via Campesina“. Das 1993 gegründete, weltweite Netzwerk von über 200 Millionen Kleinbauern, Landarbeitern und indigenen Völkern in über 80 Ländern, setzt sich für Ernährungssouveränität, Agrarökologie und die Rechte von Bauern gegen neoliberale Agrarpolitik ein. Die Bewegung kämpft für lokale Lebensmittelproduktion und gegen die Konzentration von Agrarland. Mit ihren nachhaltigen Anbaumethoden, z.B. der Humusbildung leiste die Agrarökologie auch aktiven Klimaschutz. Diese zeigte der Referent an einem Beispiel aus Sambia auf.

Angesprochen auf die Frage, was ihm Hoffnung mache, verwies Roman Herre auf seine Erfahrungen mit kleinbäuerlichen Organisationen im Globalen Süden, die sich für Ihre Rechte und die bedrohte Umwelt einsetzen, auch gegen multinationale Konzerne. Aber auch in Deutschland sieht er positive Entwicklungen, wie z.B. das Engagement der Ernährungsräte für eine klimafreundliche und lokale Nahrungsversorgung oder den gestiegenen Anteil des Bio-Anbaus. PP

 

  • Roman Herre (links) referierte auf Einladung von Markus Heißler von der Fachstelle Eine Welt des Kirchenkreises Herne über den Zusammenhang von Welternährung und Klimakrise. 
  • Plakate im Foyer der Herner Volkshochschule informierten über die Welternährungssituation. FOTOS: GÜNTER MYDLAK

Weitere Nachrichten

„Ein wertvoller Beitrag zur religiösen Bildung“

Engagement für Menschenrecht auf Nahrung

Kompetenz und hohe Qualität nachgewiesen