Menschen sitzen an einem Tisch

„Bindungsfähigkeit wecken und stärken“

Pensionierte Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem nördlichen Ruhrgebiet beschäftigten sich mit dem Thema „Kirche im Wandel“

 

Gelsenkirchen. Zu ihrem ersten Treffen im neuen Jahr sind die „Emscher-Lippe-Emeriti“ (ELE) am 9. Februar im Gemeindehaus an der Apostelkirche in Gelsenkirchen-Buer zusammengekommen. Die pensionierten Pfarrerinnen und Pfarrer des nördlichen Ruhrgebietes befassten sich mit dem Thema „Kirche im Wandel – pastoraler Dienst unter veränderten Bedingungen“.

Nach einer Begrüßung mit Einführung in die Thematik durch Pfarrer i.R. Dieter Heisig, früher Sozialpfarrer des Kirchenkreises Gelsenkirchen, stellte Pfarrer Stefan Iwanczik seine derzeitige Arbeitssituation als Gemeindepfarrer an der Apostelkirche vor. Im Anschluss daran legte Superintendent Heiner Montanus überblicksweise seine Sicht der gegenwärtigen Lage der Evangelischen Kirche im Kirchenkreis Gelsenkirchen dar. Der realistische Blick auf die Lage deute ihm das Ende der Gemeinde als Parochie an. Gleichwohl müsse die künftige Gemeindearbeit sich am biblisch begründeten kirchlichen Auftrag orientieren. Die Menschen fragten: „Wo wird etwas angeboten, was meinen Bedürfnissen entspricht? Da gehe ich hin.“ Bedrohlich für die reguläre Weiterarbeit der Kirchen sei der Abbruch an den Rändern. Zum Beispiel würden etwa 30 Prozent der Gemeindeglieder bei den Bestattungen nicht mehr erreicht. Es fehle die kirchliche Bindung.

In Gelsenkirchen versuche man mit einer Schwerpunktsetzung unter dem Leitbild „Miteinander Kirche sein“ gegenzusteuern in den Bereichen Gottesdienst und Kirchenmusik, Kinder, Jugendliche und Familien sowie Gesellschaftliche Verantwortung und Diakonie. Noch habe man mit derzeit 28 ausreichend Pfarrpersonen. Bis zum Jahr 2030 blieben nach den Vorgaben der Kirchenleitung nur noch 12,5 Pfarrstellen übrig, „wenn diese Stellen überhaupt besetzt werden können.“ Die Attraktivität des Pfarrberufes sei in den letzten 30 Jahren stark gesunken. Pfarrerinnen und Pfarrer rangierten im Ansehen im unteren Mittelfeld der Skala. Manche jüngeren Pfarrkollegen würden sich überlegen: Wenn das hier (in der Gemeinde) nichts mehr wird, werde ich Lehrerin oder Lehrer.

Im Anschluss an dieses Statement griffen die Teilnehmenden viele Impulse auf: Beziehungsarbeit in der Kirche sei entscheidend auch in der Zukunft. Die Bindungsfähigkeit sei neu zu wecken und zu stärken. Es wurde gefragt, was denn die Gestaltung von Kirche bestimme und worauf die Handelnden sich positiv einstellen sollten. Auch heute komme es auf die Glaubwürdigkeit in der Verkündigung an, theologisch betrachtet auf die Verkündigung des Namens Jesu Christi. Im Vergleich zu früher wurde begrüßt, dass sich in der Gegenwart starre Hierarchien im Miteinander auflösten. Hinweise gab es ebenso auf positive Entwicklungen in England, Frankreich und der Ökumene, trotz aller säkularistischen Tendenzen. Zum unbezweifelbaren Potenzial der Kirche gehöre die Tatsache, dass sie für Gemeinschaft sorgt. Ebenso sei Diakonie auf der Grundlage der Christuspredigt gefragt. Hier sei das Potential noch längst nicht ausgeschöpft. HHB

 

Mit dem Ruhestand hört der Wille zur weiteren Mitarbeit in Kirche und Gemeinde nicht auf: 25 emeritierte Pfarrerinnen und Pfarrer tauschten sich mit Aktiven und Superintendent Heiner Montanus über die derzeitige Lage der Evangelischen Kirche aus. FOTO: PRIVAT

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