BOCHUM. Das Zeppelin-Zentrum des Kirchenkreises Herne mit seiner Beratungsstelle Arbeit hat sich am 8. Oktober mit einem Info-Stand am Konrad-Adenauer-Platz in der Bochumer Innenstadt an der diesjährigen Aktionswoche des Landes und beteiligt und damit ein Zeichen gegen prekäre Beschäftigung und für bessere Arbeitsbedingungen gesetzt. Als Partner im landesweiten Beratungsnetzwerk gegen Arbeitsausbeutung beteiligte sich die Einrichtung zusammen mit der Beratungsstelle Arbeit Bochum der AWO Anfang Oktober an der Aktionswoche für Fahrerinnen und Fahrer von Essenslieferdiensten, um diese über ihre Rechte aufzuklären und faire Beschäftigung zu fördern.
Die Verantwortlichen der diesjährigen Aktion legten den Fokus auf Arbeitsbedingungen von Fahrerinnen und Fahrern von Essenslieferdiensten. Die Situation der sogenannten Rider, insbesondere derjenigen aus dem Ausland, war in den letzten Jahren immer wieder Thema in der medialen Berichterstattung. Im Fokus stand dabei vor allem die Situation von Studenten und Studentinnen aus Drittstaaten, die neben dem Studium für Essenslieferdienste fahren. Die Arbeits- und Lebensbedingungen der Fahrerinnen und Fahrer sind oft prekär. Sie verschulden sich, um nach Deutschland kommen zu können und erhalten einen Lohn, der nicht auskömmlich ist. Bei vielen Plattformen, die die Lieferung von zubereitetem Essen vermitteln, ist es üblich, dass die eigentliche Lieferung durch andere Unternehmen erfolgt. „Diese Struktur aus Subunternehmen und ausländischen Beschäftigten kann zur Umgehung arbeitsrechtlicher Standards und zu prekären Arbeitsbedingungen führen“, sagt Zeppelin-Leiterin Dagmar Spangenberg-Mades. Daher hatte das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW eine Aktionswoche der landesgeförderten Beratungsprojekte aus dem Netzwerk gegen Arbeitsausbeutung initiiert. Mit dem landesweiten Beratungsangebot für prekär Beschäftigte und Menschen in ausbeuterischer Beschäftigung stellt das Arbeitsministerium Unterstützungsangebote für diejenigen bereit, die ihre Rechte auf dem Arbeitsmarkt nicht kennen. Die Beraterinnen und Berater unterstützen die Betroffenen bei der Durchsetzung ihrer Rechte.
„Wir richten ein klares Signal an jene Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die dem Grundsatz eines fairen und gerechten Miteinanders nicht folgen und wollen damit auch die schützen, die mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fair umgehen“, so Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) des Landes NRW (CDU). „Wir treten menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen entschieden entgegen“, sagte er. „Die Praktiken in der Essenslieferung, insbesondere die Auslagerung der Fahrerinnen und Fahrer an Subunternehmen, sind mir schon länger ein Dorn im Auge. Wir erhalten immer wieder Berichte, dass dieses Vorgehen zu prekärer Beschäftigung führt. Daher haben wir die Aktionswoche gestartet. Ich freue mich über die zahlreichen Aktivitäten in den Regionen, die die Beratungsstellen Arbeit und die Beratungsprojekte initiiert haben und begleiten. Aufklärung, Beratung und Begleitung sind zentrale Bausteine bei der Förderung menschengerechter Arbeitsbedingungen.“
Die Aktion: Die Beratungsstellen Arbeit Herne und Bochum hatten in Vorbereitung auf die Aktion erkundet, an welchen Orten der beiden Städte sogenannte Rider anzutreffen sind. Nach dieser Recherche fiel ihre Wahl mit dem Bermudadreieck auf das Ausgehviertel in der Bochumer City mit vielen gastronomischen Angeboten. Trotz der nicht einfachen Ausgangslage, unter Termindruck Arbeitende während ihrer Vorbeifahrt darauf aufmerksam zu machen, dass die Beraterinnen über Rechte aufklären wollen und sich als Ansprechpartner anbieten, hielten gut 20 Kurierfahrer der Lieferdienste Lieferando, Uber Eats, Wolt und Flink für kurze Gespräche. Es handelte sich dabei um Männer jüngeren und mittleren Alters aus nordafrikanischen und asiatischen Herkunftsländern, die kurz ihre Situation schilderten und sich über Unterstützungs- und Beratungsangebote informieren konnten. Zur guten Sichtbarkeit der Beraterinnen am Straßenrand und damit zum Erfolg der Aktion trugen die Warnwesten mit der Aufschrift „Beratungsstellen Arbeit“ bei, die das MAGS für die Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung gestellt hatte. Sehr hilfreich für die Info-Aktion waren darüber hinaus handliche Flyer und ein Regenschutz für Fahrradsättel, beides mit Kontaktdaten der Beratungsstellen Herne und Bochum versehen. Diese Give-Aways, die die Regionalagentur Mittleres Ruhrgebiet für die Aktion bereitgestellt hatte, konnten auch bei einer Vorbeifahrt übergeben werden, so dass die Fahrer später Gelegenheit hatten, sich die Informationen in Ruhe anzuschauen und bei Bedarf eine der Beratungsstellen für eine ausführliche Beratung zu kontaktieren. Im Laufe der Aktion hatten die Beraterinnen den Eindruck, dass sich die Informationsmöglichkeit am Konrad-Adenauer-Platz unter den Fahrern herumgesprochen hatte. Darüber hinaus kam es am Info-Stand auch zu Kurzberatungen im Hinblick auf Erwerbslosigkeit, ein weiteres Themenfeld der Beratungsstellen Arbeit. Auch hier wurden einige Folgetermine zwecks ausführlicher Beratung vereinbart.
Angebot der Beratungsstellen Arbeit: Die Beratungsstellen Arbeit sind als niedrigschwellige, ortsnahe Anlaufstellen in allen 53 Kreisen und kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen präsent und zentraler Baustein des landesweiten Beratungsnetzwerks. Sie unterstützen und beraten Menschen in schwierigen Beschäftigungssituationen. Zum Netzwerk gehören auch die spezialisierten muttersprachlichen Beratungsangebote von Arbeit und Leben NRW für Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten.