Gruppenbild von 4 Personen am Gedenktag

„Widersprechen, wo Menschen ausgegrenzt werden!“

Am Emschertal-Berufskolleg in Wanne-Eickel fand am Holocaust-Gedenktag ein Projekttag unter dem Titel „Ohne Dich? Läuft nicht!“ statt.

Wanne-Eickel. „Ohne Dich? Läuft nicht!“ Unter diesem Titel hat das Emschertal-Berufskolleg am Holocaust-Gedenktag (27. Januar) in der Sporthalle Eickel einen „Denk-Tag“ durchgeführt. In rund 30 Workshops haben sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Themenkomplex „Gerechtigkeit – Solidarität – Menschenwürde“ beschäftigt. Los ging es mit einer Eröffnungsansprache von Schulleiter Ralf Sagorny. „Demokratie ist für euch selbstverständlich, benötigt aber den Einsatz für Menschlichkeit, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit“, sagte er. Mit Blick auf ein Zitat des Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel (Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit“) rief er den rund 900 Schülerinnen und Schülern zu: „Seid nicht gleichgültig!“

Die Schülersprecher Annika Tannhäuser und Tarik Sidibe betonte im Anschluss, wie wichtig es für die Schulgemeinschaft aber auch für die Gesellschaft insgesamt sei, dass widersprochen werden müsse, wo Menschen ausgegrenzt oder gemobbt werden. „Sie machen heute was Richtiges und Wichtiges!“ Mit diesem Satz knüpfte der Herner Oberbürgermeister direkt daran an. „Ohne euch läuft in unserer Gesellschaft nichts“, sagte er. „Eure Stimme ist wichtig; zeigt Haltung gegen Ausgrenzung!“ Erinnerung diene nicht nur dem Rückblick, sondern vor allem dem Lernen aus der Vergangenheit, damit sich so etwas Furchtbares wie Auschwitz nie wiederhole. „Auschwitz zeigt, wohin es führen kann, wenn alle wegsehen“, sagte Mark Lektor von der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen. „Es geht darum, Gemeinsamkeiten zu suchen, anstatt das Trennende zu betonen.“ Dem schloss sich Dechant Ludger Plümpe mit dem Wortspiel an, dass Zusammenhalt auch bedeuten könne, zusammen „Halt“ zu rufen. In diesem Sinne äußerte sich auch Islam-Vertreter Tuncay Nazik: „Wir müssen gegen Hass, Unrecht und Rassismus aufstehen!“

 „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Juden einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Jude. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ Superintendentin Claudia Reifenberger zitierte zu Beginn ihres Grußwortes den evangelischen Pfarrer Martin Niemöller. „Auch heute werden die Stimmen immer lauter, die Grenzen aufrichten und bestimmen wollen, wer dazu gehört und wer nicht“, so Reifenberger. Vor diesem Hintergrund gelte es nicht die Augen zu verschließen – weder vor der Vergangenheit noch vor der Gegenwart. „Demokratie ist nicht selbstverständlich“, sagte sie. Das Recht auf Entfaltung der eigenen Persönlichkeit, auf Gleichheit vor dem Gesetz, auf Glaubens-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit – diese Werte müssten gestärkt und geschützt werden. „Schon dass der Denk-Tag hier heute stattfinden kann, ist ein Merkmal unserer Demokratie“, sagte Reifenberger. „Mein Dank gilt denen, die diesen Denk-Tag vorbereitet haben und durchführen – und er gilt Ihnen, den Schülerinnen und Schülern. Setzen Sie sich ein für die Demokratie in unserem Land!“ AR

 

Von links: Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda, Dechant Ludger Plümpe- Superintendentin Claudia Reifenberger und Mark Lektor. FOTO: ARND RÖBBELEN

Mark Lektor bedankte sich ebenso für das Engagement der Schule…

Wie Superintendentin Claudia Reifenberger. FOTOS: DANIEL DJN/ STADT HERNE

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