Herne. Am 20. Mai hat der Historiker und Religionspädagoge Dr. Torsten Reters in einem Vortrag Biografisches von Agatha Christie und Auszüge aus ihrem Kolonial-Krimi „Tod auf dem Nil“ mit der derzeitigen Situation im oberen Niltal in Ägypten verglichen. Die Fachstelle Eine Welt des Kirchenkreises Herne und die Volkshochschule Herne hatten zu der Veranstaltung im Kulturzentrum eingeladen.
„Ägypten war nie eine direkte Kolonie, sondern stand von 1882 bis 1922 unter britischer Kontrolle“, sagte Reters. „Nach dem Staatsbankrott und der Besetzung im Anglo-Ägyptischen Krieg übernahmen britische Truppen 1882 das Land, um Schulden einzutreiben und den Suezkanal als Verbindung nach Indien zu sichern.“
Agatha Christie, deren zweiter Ehemann Archäologe war, habe sich fasziniert gezeigt von den archäologischen Ausgrabungen, wie etwa der des 1922 entdeckten Grabs des Pharaos Tutanchamun in Luxor. Der koloniale Charme des „Winterpalastes“ in Luxor und des „Old Cataract Hotels“ in Assuan, in denen Christie einst weilte, lasse sich noch heute nacherleben. Zu kritisieren sei die stereotype Darstellung der ägyptischen Bevölkerung seitens der berühmten Krimiautorin.
„Während Touristen die Tempelanlagen der Pharaonen bestaunen, kämpfen die meisten Ägypterinnen und Ägypter heute ums ökonomische Überleben“, so der Referent. Reters selbst habe noch Anfang des Jahres auf einer Nilkreuzfahrt beobachtet, wie fliegende Händler mit kleinen Ruderbooten zwischen den riesigen Hotelschiffen manövrierten, um mit Verkäufen von Souvenirs Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen.
„Dabei gilt Ägypten nach Südafrika als zweitstärkste Volkswirtschaft Afrikas“, so Reters. Dennoch verschärfe sich die Kluft zwischen Arm und Reich. „Einerseits gibt es große Prestigeobjekte wie das neue Nationalmuseum, andererseits picknicken Familien vor den Tempelanlagen in Luxor im Plastikmüll“, so der Referent. „Auch die mittlerweile große Anzahl der Kreuzfahrschiffe hat ihre Schattenseiten und führt zu Smog im Niltal.“ AR
Dr. Torsten Reters erzählte Wissenswertes über Ägypten. FOTO: GÜNTER MYDLAK