Der Drang nach Gerechtigkeit ist uns wesenseigen. Aber spüren wir diesen Drang nur mit Blick auf uns selbst oder beflügelt er uns, etwas für uns und andere zu tun. Will ich mehr für mich oder liegt mir an einer Welt, in der alle genug zum Leben haben? Unsere Welt ist reich, und wir sind gehalten, diesen Reichtum zu wahren und so zu nutzen, dass auch die nach uns noch etwas haben.
Als Christinnen und Christen sind wir davon überzeugt, dass es auch für uns selbst gut ist, wenn wir solidarisch leben und auf den anderen Acht geben. Dazu gehört, wie der barmherzige Samariter (Lukas 10,36) diejenigen, „die unter die Räuber gefallen sind“, wahrzunehmen und ihnen die Hand zu reichen. Die Fachstelle Eine Welt verschreibt sich mit ihrer Arbeit in vielen Bereichen dem Einsatz für Gerechtigkeit für die Menschen, die viele nicht im Blick haben. In meiner täglichen Arbeit ringe ich um Rechte für die Flüchtlinge. Viel zu häufig sind sie abhängig von persönlicher Willkür, von zufälligen Entscheidungen, von Menschen, die ihnen zu- oder abgewandt sind. Dabei haben wir in Deutschland doch die Mittel, Menschen, die zu uns kommen, zu begleiten, zu unterstützen und mit ihnen neue Wege zu finden!
Die Fastenzeit ist eine Zeit des Nachdenkens über uns selbst und unsere Befindlichkeiten. Auch ich fühle mich privat manchmal ungerecht behandelt – zum Beispiel, wenn ich wochenlang um Arzttermine für mich oder meine Angehörigen kämpfen muss, die uns zustehen. Aber klagen wir hier nicht oft auf einem hohen Niveau? Mir tut der Blick über den Tellerrand gut, um zu sehen, dass andere Menschen tagtäglich ums „Überleben“ und um eine Perspektive für ihr Leben kämpfen müssen. Dann weiß ich wieder, dass es mir im Grunde wirklich, wirklich gut geht!