Berlin. Acht Pfarrerinnen und Pfarrer im Ruhestand aus dem nördlichen und mittleren Ruhrgebiet haben – begleitet von ihren Partnerinnen und ihrem Partner – Anfang Juni vier ereignisreiche Tage in Berlin verbracht. Unter der ortskundigen Leitung von Peter Burkowski, früher Superintendent in Recklinghausen und Leiter der Führungsakademie für Kirche und Diakonie (fakd) in Berlin, besuchte die Gruppe der „Emscher-Lippe-Emeriti“ (ELE) das Haus der EKD am Gendarmenmarkt, den Deutschen Bundestag im Reichstagsgebäude, die Fürbitt-Melanchthon-Kirchengemeinde in Neukölln und die Sankt-Lukas-Kirche der Berliner Stadtmission.
Prälatin Dr. Anne Gideon, Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Sitz der Bundesregierung, stellte zum Auftakt des Besuches ihren vermittelnden Dienst an der Schnittstelle zwischen Kirche und Politik im Deutschen Bundestag vor. Dabei sprach sie auch die Möglichkeiten der Stellungnahme zu laufenden Gesetzgebungsverfahren sowie der Seelsorge an Parlamentsabgeordneten und ihren Mitarbeitenden an. Bei dem sich anschließenden Gespräch mit Frank Schwabe (SPD), dem Referenten des Bundestagsabgeordneten für Recklinghausen, kamen auch die derzeit notwendigen politischen Auseinandersetzungen mit der AfD zur Sprache. Die Gruppe nahm zusätzlich die Gelegenheit, den Andachtsraum im Souterrain des Reichstagsgebäudes zu besichtigen.
Pfarrer Jan von Campenhausen erwartete die Besuchergruppe aus dem Ruhrgebiet in der Philipp-Melanchthon-Kirche in Berlin-Neukölln. In einem sozialen Umfeld, das von der kulturellen Vielfalt und den sozialen Herausforderungen her stark an die Lage in Stadtteilen des Ruhrgebietes erinnert, habe sich die Kirchengemeinde „neu erfinden“ müssen. Bei 6000 obdachlosen Menschen in Berlin ist die Kirche in der kalten Jahreszeit nachts für Menschen in Not geöffnet. In Zusammenarbeit mit Akteuren wie einem neu gegründeten CVJM und der von Cansteinschen Bibelstiftung findet sich in der Kiche das „Berliner-Bibel-Labor“, das Schulklassen und andere Gruppen zur kreativen Beschäftigung mit der Bibel einlädt. Zum Mittagessen konnten sich die Besucherinnen und Besucher über einen frisch zubereiteten Berliner Döner freuen.
„Die Stadtmission ist in Berlin bekannter als die Evangelische Kirche von Berlin-Brandenburg“, meinte der Theologische Vorstand der diakonisch-missionarischen Einrichtung, Dr. Christian Ceconi. Er erläuterte das biblische Motto der seit 1877 in Berlin arbeitenden Stadtmission: „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn!“ (Jeremia 29,7). An der Sankt-Lukas-Kirche finden regelmäßig internationale Gottesdienste statt. Das Café für Geflüchtete, das Kommunikation und Begegnung auf Deutsch fördert, ist ein wichtiger Anlaufpunkt für junge Menschen.
An der Gedenkstätte „Topographie des Terrors“ informierte sich die Gruppe in Sichtweite des früheren Reichsluftfahrtministeriums und der Gestapo-Zentrale der Prinz-Albrecht-Straße über die Geschichte der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Auch die Unterkunft der Reisenden in der Lazarus-Diakonie an der Bernauer Straße ließ die Teilungsgeschichte Berlins in jedem Moment spüren. HHB
Der Kreis der Emscher-Lippe-Emeriten (ELE) trifft sich im nördlichen und mittleren Ruhrgebiet kirchenkreisübergreifend viermal jährlich zu Austausch und Begegnung. Nächste Termine sind Montag, 7. September, mit einem Ausflug zum Wasserschloss Nordkirchen und am Montag, 2. November, in der Evangelischen Kinder- und Jugendhilfe Herne & Wanne-Eickel. Kontakt: Pfarrer i.R. Bernd Schäfer, bernd.schaefer@ekvw.de sowie horst-hermann.bastert@ekvw.de.
- Eine Runde im Kirchenraum der Philipp-Melanchthon-Kirche in Berlin-Neukölln mit Pfarrer Jan von Campenhausen (rechts neben dem Bildschirm).
- Ein Erinnerungsfoto vor dem Brandenburger Tor. FOTOS: PRIVAT