Herner Nachhaltigkeitsforum: Hitze

Herner Nachhaltigkeitsforum: Hitze

Was tun gegen die Hitze – jetzt und in Zukunft?

Herne. „Was tun gegen die Hitze –jetzt und in Zukunft?“ so lautete das Thema des Herner Nachhaltigkeitsforums am 21. Mai in der Herner Volkshochschule. „Welche Folgen hat die Zunahme von Hitzetagen für die Gesundheit von Menschen in unserer Stadt, insbesondere von älteren Menschen, Säuglingen und Kleinkindern, Schwangeren und chronisch Kranken? Was passiert in Herne zu dieser Problematik? Welche Schutzmaßnahmen gibt es?“ – Fragen wie diese standen im Mittelpunkt des Abends.

In seiner Einführung zeigte Eine-Welt-Promotor Markus Heißler den Zusammenhang mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen und dem Thema Hitzeschutz auf und präsentierte die aktuellen Fakten zum Thema. „Der aktuelle Copernicus-Klimabericht 2025 vermeldet einen starken Anstieg der Temperaturen in Europa“, sagte er. „In 95 Prozent der Regionen des europäischen Kontinents war die Jahrestemperatur überdurchschnittlich hoch, so die zentrale Botschaft des aktuellen Berichts.“ 

Die zunehmende Hitze könne krank machen und sogar töten. „Für den Sommer 2023 hat das Robert Koch-Institut rund 3.200 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland geschätzt, für den Sommer 2024 rund 3.000“, so Heißler. Besonders betroffen von extremer Hitze seien auch die Menschen im Globalen Süden. „So ist z.B. in der indischen Hauptstadt Neu Dehli, extreme Hitze bereits heute ein großes Problem und wird durch den Klimawandel deutlich schlimmer werden“, berichtete der Referent. „Aktuell gibt es etwa 36 Tage pro Jahr mit durchschnittlichen Temperaturen über 33 Grad Celsius; bis 2050 könnten es rund 48 Tage sein.“

Anschließend stellten Alexander Kucharski (Sozialplaner der Stadt Herne) und Rasmus Nell (Fachbereich Gesundheit der Stadt Herne) den kommunalen Hitzeaktionsplan. Nell, Projektkoordinator Gesundheitsförderung im Fachbereich Gesundheit, informierte über das Thema Hitzewarnung. Bei den Hitzewarnungen unterscheide der Deutsche Wetterdienst zwei Warnstufen. Die vor einer „starken Wärmebelastung“ werde dann herausgegeben, wenn die gefühlte Tagestemperatur den Schwellenwert 32 Grad Celsius erreicht. „Überschreitet die gefühlte Temperatur einen Wert von 38 Grad, so wird vor einer ‚extremen Wärmebelastung‘ gewarnt“, sagte er. 

Temperaturschwankungen gleiche der menschliche Organismus durch verschiedene thermoregulatorische Mechanismen, wie z.B. Schwitzen aus. „Bei zu großer Hitze kann die körpereigene Temperaturregulierung überfordert sein, insbesondere bei älteren Menschen, Säuglingen und Kleinkindern, Schwangeren und chronisch Kranken, was zu schweren gesundheitlichen Folgen, wie z.B. Hitzekollaps und Hitzschlag führen kann“, so Nell. „Rund 22 Prozent der Herner Bevölkerung gehören allein zur Risikogruppe Ü 65.“

Die Stadt Herne erarbeitet aktuell einen Hitzeaktionsplan, über den voraussichtlich im Juli im Rat der Stadt entschieden wird. Alexander Kucharski von Stabsstelle Strategische Sozialplanung der Stadt Herne informierte über den dahinterstehenden Ansatz: „Ein Hitzeaktionsplan soll dazu dienen, Unterstützungsstrukturen aufzuzeigen und Maßnahmen zum Schutz besonders hitzegefährdeter Personengruppen zu bündeln“, sagte er. „Ein Hitzeaktionsplan entbindet nicht von der Eigenverantwortung, sich selbst und Menschen im (näheren) Umfeld vor den Auswirkungen von Hitze zu schützen, d.h. Vorkehrungen vor Hitze zu treffen und ggf. die individuellen Verhaltensweisen an die klimatischen Bedingungen anzupassen.“ 

Der Hitzeaktionsplan sei auch Teil des Klimaanpassungskonzepts der Kommune und solle Strukturen und Maßnahmen für den Hitzeschutz klären. Zu den wesentlichen Maßnahmen gehören die Risikokommunikation (z.B. Aufklärung und Sensibilisierung, Hitzeportal), das Management von Akutsituationen (z.B. Kommunikation von Hitzewarnungen, der Schutz gefährdeter Gruppen) sowie längerfristige Klimaanpassungsmaßnahmen (z.B. Fassadenbegrünung, Verschattung, Trinkwasserbrunnen). „Der Aktionsplan ist dynamisch; in ihn sollen neue Erfahrungen und Erkenntnisse einfließen können.“

In der anschließenden sehr lebhaften Diskussion wurden den beiden Referenten viele Fragen gestellt und weitere Anregungen mitgegeben. Gelobt wurde, dass die Stadt Herne als eine der wenigen Städte in Nordrhein-Westfalen einen so detaillierten Plan zum Bevölkerungsschutz vorlegt. 

Kritisch gesehen wurde allerdings, dass parallel zur Erstellung des Aktionsplans an vielen Stellen in der Stadt weitere große Flächen versiegelt werden, z.B. durch den Ausbau der A43 oder die Bebauung des Blumenthal-Geländes. In einem Einspieler wurde deutlich, wie wichtig Entsiegelung von Flächen und mit Bäumen bepflanzte Grünflächen sind. Anke Bolsmann von der Initiative „Wanne-Süd gemeinsam“ informierte über das Anlegen von Bürger:innenbeeten und die Bepflanzung von Baumscheiben im Quartier als praktischen Beitrag zum Hitzeschutz. Das größte Projekt ist derzeit die Bepflanzung eines Burger-Beets in der Hauptstraße/ Röhlinghauser Straße gemeinsam mit den Eickeler Grünfinken. Für diese Initiative gab es großen Beifall. 

Moderator Markus Heißler dankte anschließend allen Beteiligten und den Teilnehmenden für Ihre zahlreichen Fragen und Diskussionsbeiträge. Das Herner Nachhaltigkeitsforum ist ein Ort des Austausches und der Information über unterschiedliche Aspekte des Themas Nachhaltigkeit. Veranstalter sind die Fachstelle Eine Welt des Kirchenkreises Herne, das Bildungsbüro der Stadt Herne, die Volkshochschule Herne und die AG Herner Nachhaltigkeitsforum. PP

 

  • Abschlussrunde mit Anke Bolsmann, Moderator Markus Heißler, Rasmus Nell und Alexander Kucharski.
  •  FOTOS: PRIVAT

 

 

 

 

 

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