Herne. Zweimal im Monat, immer am ersten und am letzten Sonntag, verschenken Ehrenamtliche des Hospizdienstes jeweils von 14.30 bis 16 Uhr ihre Zeit an alle, die auf dem Südfriedhof an der Wiescherstraße jemanden zum Reden brauchen. Seit drei Jahren sitzen sie auf einer Bank vor der Trauerhalle, 90 Minuten lang, bei jedem Wetter. Sie tragen einen roten Schal, bieten ein Getränk an und auch Taschentücher, wenn nötig. Das Angebot heißt „BankVerbindung“; Schilder an den Friedhofstoren machen darauf aufmerksam.
Im Mai 2023 startete das Projekt, zunächst einmal im Monat. Seit 2025 kommen die Ehrenamtlichen zweimal pro Monat. Initiatorin ist Karola Rehrmann, Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes Herne, Seelsorgerin und zertifizierte Trauerbegleiterin. „Die Idee, auf dem Südfriedhof mit Menschen ins Gespräch zu kommen über das, was sie gerade beschäftigt, hat sich bewährt“, sagt sie. „Ob Trauer, Einsamkeit oder andere Sorgen – für alles haben unsere Zeitschenkerinnen ein offenes Ohr. Wir wissen aus Erfahrung: Manchmal ist es leichter, mit einer fremden Person persönliche Probleme zu besprechen als mit Menschen, die einem nahestehen. Und gerade auf dem Friedhof ist der Gesprächsbedarf groß.“
Wie sehr diese Worte zutreffen, belegen Momente aus drei Jahren „BankVerbindung“. Da war der Mann, der jeden Abend zwei Flaschen Wodka trank und nicht mehr leben wollte. Er nahm nach einem Gespräch auf der Bank weitere Unterstützung an, fand zurück ins Leben und berichtete Wochen später von Urlaubsplänen. Da war die Witwe, die ein Walnussbäumchen auf das Grab ihres Mannes pflanzte, damit er nicht allein sei. Die Zeitschenkerin nahm sie daraufhin einfach in den Arm. Ein älterer Herr bedankte sich für das Gespräch. „Sprechen Sie mich beim nächsten Mal doch gerne wieder an“, sagte er. „Ich hätte mich von mir aus nicht getraut.“
Die Zeitschenkerinnen kennen viele Gründe, warum Menschen auf sie zukommen. Manchmal ist es der Verlust eines lieben Menschen, manchmal ein festgefahrenes Problem in der Familie oder Existenznöte. Manche Gespräche dauern länger, bei anderen reicht ein freundliches Wort. Zeitschenkerin Inge Schnepper erinnert sich an einen Besucher, der sich beim Abschied bedankte mit den Worten: „Danke für das Therapiegespräch.“ Jutta Handel bringt das Wesen ihres Ehrenamts auf den Satz „Zeit, die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns was gibt.“ Denn Geben sei keine Einbahnstraße. „Wer Lust hat, Menschen kennenzulernen, wer zuhören und Tränen aus Trauer oder Wut trocknen kann, der sollte bei uns mitmachen.“ Mit diesen Worten beschreibt Christa Schodl, was man für dieses Ehrenamt mitbringen sollte.
Inge Schnepper, Jutta Handel und Christa Schodl verschenken ihre Sonntagnachmittage voller Freude, daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Insgesamt besteht das „BankVerbindung“-Team aus fünf Ehrenamtlichen. Die Termine lassen sich gut planen und auf die Aktiven verteilen. Manche Gespräche ergeben sich spontan, einige Besucherinnen und Besucher kommen gezielt an den Bank-Sonntagen auf den Friedhof. Die nächste Gelegenheit dazu gibt es am Sonntag, 14. Juni, ab 14.30 Uhr. Das Projekt der „BankVerbindung“ basiert auf Freiwilligkeit, ohne Anmeldung, kostenfrei. Finanziert wird es aus Spenden an den Förderverein. SSch
Sie sind da, wenn ein Mensch jemanden zum Reden braucht – die Zeitschenkerinnen der „BankVerbindung“ (von links) Christa Schodl, Irina Jaropud, Cordula Skrabaczewski, Inge Schnepper, Lena Behling und die Hospizdienst-Koordinatorin Karola Rehrmann. Es fehlt Jutta Handel. FOTO: HOSPIZDIENST