Herne. Wenn der Blutfluss zwischen Herzvorhof und Herzkammer nicht richtig funktioniert, leiden Betroffene an einer Mitralklappeninsuffizienz. Um das Problem zu beheben, war früher eine Operation am offenen Herzen notwendig – verbunden mit einem hohen Risiko. Dank des medizinischen Fortschritts gibt es mit dem Mitralclipping eine schonende Alternative. Deutschlandweit gibt es nur 72 zertifizierte Mitralklappenzentren, die bei diesem Eingriff die hohen Anforderungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DKG) erfüllen und damit für eine exzellente Qualität in der Behandlung an der Mitralklappe stehen. Das Evangelische Krankenhaus Herne zählt dazu. Als einziges Mitralklappenzentrum zwischen Dortmund und Essen ist es nun erstmals rezertifiziert worden.
„Die Hürden sind extrem hoch, um dieses Qualitätssiegel zu erhalten und schließlich auch zu erneuern“, sagt Dr. Ali Halboos, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Zentrumsleiter. So müssen Mitralklappenzentren zum Beispiel über eine besondere medizintechnische Ausstattung verfügen und die Herzspezialisten eine umfassende Expertise sowie eine hohe Anzahl an durchgeführten Eingriffen vorweisen. Neben der Quantität begutachteten die Auditoren aber auch die Qualität der Mitralklappen-Implantationen.
In ihrem Bericht lobten die Prüfer der DKG die unverändert hohe externe Qualitätssicherung, unter anderem bedingt durch die verbesserte technische Ausstattung im Bereich der Bildgebung und bestätigten dem Zentrum um Chefarzt Dr. Halboos nach 2023 nun zum zweiten Mal in Folge eine Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz auf hohem Niveau. „Das Zertifikat unterstreicht die exzellente medizinische Versorgung unserer Patienten am EVA Ruhr-Standort in Herne-Mitte“, sagt Dr. Halboos sichtlich stolz.
Die Mitralklappenschwäche ist die zweithäufigste Herzklappenerkrankung im Erwachsenenalter. Allein in Deutschland sind rund eine Million Menschen davon betroffen. Die Mitralklappe befindet sich zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer. Ist diese Klappe nicht mehr dicht, fließt bei jedem Herzschlag Blut zurück in den Vorhof. Dies kann zu einem Rückstau von Blut in der Lunge führen und Beschwerden wie Atemnot, Erschöpfung, Husten und einen raschen oder unregelmäßigen Herzschlag auslösen. Ohne eine entsprechende Behandlung kann diese Erkrankung zum Tod führen.
Beim Mitralclipping wird über die Leistenvene mithilfe eines Katheters ein winziger Clip bis zum Herzen geschoben und an der undichten Herzklappe befestigt. Dort verhindert er den Rückfluss des Blutes in die Lunge. Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv, es sind also nur wenige kleine Schnitte erforderlich. Durch dieses schonende Verfahren sind Patienten besonders schnell wieder mobil und merken zügig eine Besserung der Luftnotbeschwerden.
Der EVA Ruhr ist einer der größten evangelischen Verbünde für Gesundheit und Soziales in Deutschland – fest verwurzelt im Ruhrgebiet und getragen von den Trägern Diakonie Ruhr, Diakoniewerk Gelsenkirchen und Wattenscheid, Evangelische Stiftung Augusta sowie Evangelische Krankenhausgemeinschaft Herne | Castrop-Rauxel. Gemeinsam stehen die Einrichtungen für eine vernetzte, wohnortnahe und menschliche Versorgung – von der Geburt bis ins hohe Alter.
Freuen sich über die Rezertifizierung des Mitralklappenzentrums im EvK Herne: Chefarzt Dr. Ali Halboos (3. von rechts) und sein Team. FOTO: EVA RUHR