„Beste Investition: Finanzbildung“

„Beste Investition: Finanzbildung“

Herne. Die Schuldnerberatung des Kirchenkreises Herne hat Ende Februar ihren Jahresbericht 2025 für Herne veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass die Überschuldungsquote in Herne nach Angaben von Creditreform mit knapp 17 Prozent ungebrochen hoch ist. Damit sei sie fast doppelt so hoch wie die deutschlandweite Quote. Im Ranking der Überschuldungsquoten für Deutschland nach Kreisen und kreisfreien Städten befinde sich Herne auf Platz 397 von 400. In dem Bericht wird betont, dass Überschuldung alle sozialen Schichten treffe. Die Gründe dafür seien vielfältig. Krankheit, Jobverlust oder auch Scheidung können zu einer finanziellen Schieflage führen – wobei Arbeitslosigkeit mit 48 Prozent der Ratsuchenden als Ursache für Überschuldung an erster Stelle stehe. 

Aber auch negative wirtschaftliche Entwicklungen wie eine zunehmende Inflation dafür sorgen, dass Menschen ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr in ausreichendem Maße nachkommen können. Steigende Lebensmittel- und Energiepreise oder Mieterhöhungen können zu Überschuldung führen. „Wir sehen, dass die Überschuldung in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist“, sagte Andrea Leyk, Geschäftsführerin der Schuldnerberatung. „Im Gegensatz zu früher reicht heute ein Einkommen von 2500 Euro kaum, um die Lebenshaltungskosten zu begleichen. Unvorhergesehene finanzielle Belastungen, wenn beispielsweise die Waschmaschine kaputtgeht, können dann nicht mehr gestemmt werden.“

Insgesamt haben die Mitarbeitenden der Schuldnerberatung 2025 851 Personen betreut – 341 Frauen und 510 Männer. Die Höhe der Gesamtverschuldung der Klienten ergab in Summe rund 24,5 Millionen Euro, was einer Durchschnittsverschuldung von rund 33000 Euro pro betroffener Familie entspricht.

Vor diesem Hintergrund sei Prävention sehr wichtig, betont Andrea Leyk. Deswegen werde auch immer mehr an Schulen geworben. So gab es im Jahr 2025 13 Informations- und Präventionsveranstaltungen mit insgesamt 375 Teilnehmern. Die Aktionswoche der Schuldnerberatung stand im Jahr 2025 unter dem Motto „Beste Investition – Finanzbildung: Wenn aus Minus Plus wird“. Sorgfältige Finanzplanung inklusive der Schaffung von Rücklagen zur Sicherung des Auskommens mit dem Einkommen müssten gelernt werden.

„Dazu ist es uns besonders wichtig, junge Menschen zu erreichen“, so Leyk. „Sie sind besonders empfänglich für Angebote unter dem Motto ‚Jetzt kaufen – später bezahlen‘.“ Wer hier zu oft seinen Wünschen nachgebe, könne den Überblick über die finanziellen Folgen verlieren, bis das Inkassounternehmen vor der Tür steht.“

Eine finanzielle Schieflage führe bei vielen Menschen zu einem Gefühl des Scheiterns. Geld entscheide in einer kapitalistischen Gesellschaft über Teilhabe, Zugehörigkeit und Status. „Von daher ist der Gang Schuldnerberatung oftmals schambesetzt“, so Leyk. Die Unterstützung der Schuldnerberatung sei aber nicht nur kostenlos, sondern auch diskret. „Wir arbeiten mit den Betroffenen gemeinsam an Lösungen und Wegen aus der Überschuldung.“ So gebe es mit dem Verbraucherinsolvenzverfahren eine gesetzliche Möglichkeit, Privatpersonen einen schuldenfreien Neuanfang zu ermöglichen. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Schuldnerberatungwww.schuldnerberatung-herne.de. AR

 

Andrea Leyk ist Geschäftsführerin der Schuldnerberatung des Kirchenkreises Herne. FOTO: GÜNTER MYDLAK

 

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