Kreissynode
Die Kreissynode ist das „Parlament“ des Kirchenkreises und entscheidet über alle Angelegenheiten, die den Kirchenkreis betreffen, unter anderem über die Verteilung der Kirchensteuermittel. Sie entscheidet über die Fachdienste des Kirchenkreises, also die Arbeitsfelder, die nicht in den einzelnen Kirchengemeinden, sondern auf der Ebene des Kirchenkreises angesiedelt sind, und beschließt deren Haushaltsplan. Die Kreissynode kann allerdings nicht in die Haushaltshoheit der Kirchengemeinden eingreifen. Jede der 15 Kirchengemeinden stellt mit den ihr zu Verfügung gestellten Mittel ihren eigenen Haushaltsplan auf.
Die Kreissynode Herne besteht aus rund 100 stimmberechtigten Mitgliedern (Pfarrerinnen und Pfarrer, von den Presbyterien der Kirchengemeinden gewählte Synodale, vom Kreissynodalvorstand berufene Fachvertretungen und die ehrenamtliche Mitglieder des Kreissynodalvorstands), sowie einer Reihe von Mitgliedern mit beratender Stimme (in der Regel Pfarrerinnen und Pfarrer im Entsendungsdienst).
Die Kreissynode tagt in der Regel zwei Mal im Jahr, wobei im Sommer die inhaltliche Arbeit, im Herbst die Beratungen über die Finanzen im Mittelpunkt stehen. Soweit nicht anders beschlossen wird, sind die Tagungen der Kreissynode öffentlich.
Lesen Sie hier den UK-Bericht der letzten Kreissynode am Montag, 4. Juli 2011:
Kirchenkreis-Konzeption liegt vor
WANNE-EICKEL – Die Kreissynode des Kirchenkreises Herne hat am 4. Juli an einem besonderen Ort getagt: Die Synodalen trafen sich auf Einladung von Pfarrer Samuel Gümüs von der Syrisch-Orthodoxen Kirche Herne und Ruhrgebiet in ihrer St. Petrus und Paulus Kirche an der Deutschen Straße in Wanne-Eickel. Pfarrer Samuel Gümüs betonte, dass sich seine Gemeinde über den Besuch der Kreissynode freue. Diese Freude fand später vor allem in einem mehr als reichhaltigen Abendessen Ausdruck, das Gemeindeglieder in stundenlanger Arbeit vorbereitet hatten. Vor der Einnahme des üppigen Mahls ging es los mit Andacht des Superintendent Reiner Rimkus. Anschließend überbrachten Landeskirchenrätin Johanna Will-Armstrong die Grüße von Präses Alfred Buß und Pfarrerin Heike Lengenfeld-Brown die des Bochumer Superintendenten Peter Scheffler.
In seinem Bericht orientierte sich Superintendent Reiner Rimkus an den in der Konzeption des Kirchenkreises genannten Herausforderungen der Evangelischen Kirche in Herne und Castrop-Rauxel. Unter der Überschrift „Christen laden ein zum Glauben“ erinnerte der Superintendent an die erfolgreiche Auftaktveranstaltung der Reihe „ChurchChill“, die in Kooperation mit der Buchhandlung „Koethers und Röttsches“ in der Alten Druckerei mit Themen aus Kirche und Gesellschaft viermal im Jahr stattfindet, und an den Abend mit Margot Käßmann im Kulturzentrum. Als weitere Veranstaltungen in diesem Jahr kündigte er drei Abende am 9., 16. und 23. September in Lutherkirche (Castrop-Rauxel), Kreuzkirche (Herne) und Christuskirche (Wanne-Eickel) zu theologischen Themen, einen weiterer Vortragsabend mit Margot Käßmann am 19. Oktober in der Lutherkirche (Castrop-Rauxel) und eine Feier zu „450 Jahre Reformation in Herne“ am 31. Oktober in der Kreuzkirche an.
Weiter berichtete Rimkus von der Neubelebung der Notfallseelsorge in Herne und Castrop-Rauxel – unter Mitwirkung von geschulten Ehrenamtlichen sowie des Dekanats Emschertal. Desweiteren benannte der Superintendent unter der Überschrift „Wachsender Ungerechtigkeit und Armut begegnen“ den Auftrag der Evangelischen Kirche, Missstände zu benennen und dagegen zu arbeiten. Als aktuelle Beispiele nannte er zum einen die Problematik, dass derzeit Hartz IV-Betroffene Nachzahlungsforderungen von Energieunternehmen nachkommen müssten, die bei vielen Betroffenen deren finanzielle Möglichkeiten übersteige. „Kalte und dunkle Wohnungen in Herbst und Winter wären die Folge“, beklagte Rimkus und kündigte an, dass der Kirchenkreis sich in Zusammenarbeit mit der Schuldnerberatung des Problems annehmen werde. Ein weiterer Tagesordnungspunkt betraf die Haushaltseckdaten 2012. Pfarrer Karsten Herbers, der Vorsitzende des Synodalen Finanzausschusses, unterrichtete die Synode über weiter zurückgehende Kirchensteuerzuweisungen. Die Prognose für das kommende Jahr 2012 belaufe sich auf eine landeskirchliche Zuweisung in Höhe von rund 6.900.000 Euro (gegenüber rund 7.268.000 Euro für 2011). Das führe dazu, dass im kommenden Jahr nur mehr gut 125.000 Euro (gegenüber gut 450.000 Euro in 2011) den Rücklagen zugeführt würden. „Die Gemeinden werden weiterhin mit 20 Euro je Gemeindeglied bedacht“, sagte Herbers. „Mit einer darüber hinausgehenden Zuweisung wie in den vergangenen Jahren ist nicht zu rechnen, da wir das Deckungspolster für absehbar schlechtere Zeiten aufstocken müssen.“
Die Kooperationsberatungen im Gestaltungsraum IX (Bochum, Gel-senkirchen und Wattenscheid sowie Herne) sollen neu belebt werden. „Dabei spielt die Perspektive, dass wir drei Kirchenkreise uns über 2015 hinaus nicht alleine weiter alles werden leisten können, eine nicht unwesentliche Rolle“, sagte Rimkus. Pfarrer Arno Wittekind erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die Zahl der Gemeindeglieder in dem Gestaltungsraum in den letzten zehn Jahren von 318.000 auf 270.000 zurückgegangen sei. „Es ist zu erwarten, dass die Entwicklung in den nächsten zehn Jahren so weiter gehen wird“, sagte er. Oben auf der Prioritätenliste steht die Bildung einer gemeinsamen Verwaltung. Insgesamt soll innerhalb einer gestärkten Kooperation die inhaltliche Ausrichtung und Eigenständigkeit der drei Kirchenkreise gewährleistet bleiben. Vor allem der Kirchenkreis Herne wünscht sich eine Stärkung seines missionarischen und sozialdiakonischen Profils. AR


