Zukunft der Kirche als Thema des Jahresempfangs

Superintendent Reiner Rimkus (rechts) und der stellvertretende Dechant Ludger Plümpe begrüßten Landtagspräsidentin Carina Gödecke als Hauptrednerin auf dem Ökumenischen Jahresempfang von Kirchenkreis Herne und Dekanat Emschertal.

HERNE – Gut 150 Gäste waren der Einladung von Kirchenkreis Herne und Dekanat Emschertal am 18. September zum Ökumenischen Jahresempfang ins Lutherhaus der Petrus-Kirchengemeinde gefolgt. Superintendent Reiner Rimkus und der stellvertretende Dechant Ludger Plümpe freuten sich über den Besuch von geladenen Gästen aus Kirchen, Medien, Wirtschaft und Politik. Nach einem Vortrag von Carina Gödecke, der Präsidentin des Landtags Nordrhein-Westfalen, gab es für sie die Gelegenheit, ins (persönliche) Gespräch zu kommen. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Schülerin Karlotta Haydn, die die Gäste mit ihren Harfenklängen begeisterte.
Das Thema des Empfangs lautete – in Anlehnung an den Beginn des sechsten Jahrhunderts nach dem Beginn der Reformation – „Kirche 6.0 – quo vadis?“ Über die Zukunft der Kirche zu sprechen, sei für die eine enorme Herausforderung gewesen, sagte Carina Gödecke zu Beginn ihres Vortrags. „Wer bin ich denn eigentlich, dass ich mich traue, mir zutraue, dieses Thema anzugehen?“ Diese Frage habe sie sich gestellt und von einem Freund den entscheidenden Zuspruch erhalten, und zwar aus Psalm 18: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen, weil er die Kraft, die in mir steckt aktiviert, mir ‚Flügel‘ verleiht“, sagte sie. Dieser Satz habe ihr die Zuversicht gegeben, die Herausforderung anzugehen – „im Vertrauen darauf, dass ich es schaffe, weil Gott bei mir ist.“ Das Vertrauen in diesen Gott sei so grundlegend, dass dieser Vers aus Psalm 18 „der Hoffnung gebende Wegweiser für alle Überlegungen sein kann, wie Kirche 6.0 aussehen kann“, sagte Gödecke.

Die Harfenistin Karlotta Haydn sorgte für die musikalische Gestaltung des Jahresempfangs. FOTOS: ARND RÖBBELEN

Was sich nie ändern werde, sei der Glaube an den dreieinigen Gott sowie Gottes- und Nächstenliebe, die die Feindesliebe einschließt, als Richtschnur christlichen Lebens. „Aber Kirche, verstanden als Organisationsform, wird sich grundlegend ändern“, sagte die SPD-Politikerin. In zehn Thesen beschrieb Gödecke, welche Veränderungen sie im sechsten nachreformatorischen Jahrhundert erwartet: Ein Zusammenwachsen der Konfessionen („Ökumene wird zu einem historischen Begriff werden“), gesellschaftliche Einflussnahme aufgrund einer gesicherten Wertebasis, Pflege des persönlichen Kontakts in der digitalen Welt, Abschaffung des Zölibats oder weniger Kirchen als Versammlungsorte. „In Kirche 6.0 wird ein bewusstes Christentum gelebt werden“, zeigte sich die Landtagspräsidentin überzeugt. „Einzig aus Tradition Mitglied in einer Kirche zu sein, wird seltener werden, denn sich als Christ zu bekennen, setzt in Kirche 6.0 die aktive Glaubensausübung voraus.“ AR