Gefühlslagen einer jungen Frau treffend geschildert

Annette Knorr und Jona Kümper gaben ein Konzert mit Stücken von Clara und Robert Schumann. FOTO: FW SIEPMANN

Eine Konzertkritik von Brigitte Wilms

HERNE – Lieder von Clara und Robert Schumann sowie Klavierstücken von Robert Schumann sind Ende Juni in der Christuskirche der Petrus-Kirchengemeinde Herne erklungen. Das Kammerkonzert gestaltete die Sopranistin Annette Knorr aus Recklinghausen zusammen mit dem Pianisten Jona Kümper aus Bochum.

Im Mittelpunkt des Konzertes stand der Zyklus „Frauen – Liebe und Leben“ von Robert Schumann. Entstanden ist die Folge von Liedern nach Texten von Adelbert von Chamisso im Jahr 1840. Sie beschreiben die Gefühle einer Frau vom ersten Wahrnehmen des Partners und dem Entstehen der Liebe bis zur Hochzeit, anschließend das Glück bei der Geburt des Kindes und schließlich den tiefen Schmerz über den Verlust des geliebten Mannes. Adelbert von Chamisso, von Geburt Franzose, der im Zuge der Französischen Revolution mit seiner Familie seine Heimat verlassen musste und in Berlin ein neues Zuhause fand, konnte sein Leben lang die deutsche Sprache nur mit französischem Akzent sprechen, verfasste  aber wunderbare Dichtung auf Deutsch. Robert Schumann hat mit seinen Kompositionen die Gefühlstiefe der einzelnen Gedichte sowohl ergreifend als auch mitreißend ausgelotet und so die extremen Gefühlslagen einer sehr jungen Frau treffend geschildert. Durch die Wiederkehr der Anfangsmelodie am Schluss hat er die einzelnen Gedichte zu einem Zyklus zusammengefasst. Annette Knorr , ausgestattet mit einem sehr flexiblen, wohlklingenden Sopran, traf den Ton der Lieder so genau, dass man als Zuhörer die Gefühlssprünge einer jungen Frau miterlebte, dabei einfühlsam von Jona Kümper begleitet.      

Es folgten Schumanns „Waldszenen”, die 1848 und 1849 entstanden sind. Diese neun Charakterstücke, die jeweils eine aus ihrem Titel zu entnehmende  Stimmung ausdrücken, hat Schumann  durch einen symmetrischen Aufbau mithilfe von inhaltlichen und tonartlichen Entsprechungen zu einem Zyklus zusammengefügt. So entsprechen sich inhaltlich das erste (Eintritt) und das vorletzte (Abschied), das zweite (Jäger auf der Lauer) und das vorletzte Stück (Jagdlied) usw. Tonartlich verschränkt Schumann das erste mit dem fünften und dem letzten Stück durch die Tonart B-Dur. Jona Kümper gestaltete die Stücke abwechslungsreich und frisch und ließ die Vögel im siebten Stück fröhlich zwitschern.Es war ein Genuss, ihm zuzuhören.

Clara Schumann kennt man als hervorragende Pianistin, die die Werke ihres Mannes in zahlreichen Konzerten innerhalb der deutschen Staaten, aber auch auf Reisen beispielsweise nach Dänemark und Russland, gespielt und damit bekannt gemacht hat. Außerdem trug sie damit entscheidend zum Familieneinkommen bei. Daneben aber führte sie mit Robert eine Liebesehe und hatte mit ihm acht Kinder, die von Kindermädchen aufgezogen wurden. Dass sie auch komponiert hat, ist dagegen weniger bekannt, aber sie hatte auf Anweisung ihres Vaters schon früh Kompositionsunterricht erhalten, obwohl es in der damaligen Zeit noch als ungewöhnlich galt, wenn eine Frau komponierte. Im Konzert wurden drei Lieder aus op.12 (entstanden 1841 nach Texten von Friedrich Rückert) aufgeführt, die zu dem Besten zählen, was Clara Schumann komponiert hat. Der Liederzyklus op. 13 (1844 gedruckt) nach Gedichten von Heinrich Heine, Emanuel Geibel und Friedrich Rückert fand auch bei ihrem Mann höchste Anerkennung. Die Begleitung der wunderschönen Melodien ist akkordischer als die von Robert Schumann, sodass das Eigenständige von Clara Schumanns Kompositionsweise durchaus zu hören war. Annette Knorr und Jona Kümper fesselten erneut mit ihrer ausdrucksvollen Darbietung; bewundernswert war auch die überaus verständliche Artikulation der Sängerin. Das Publikum war von dem Konzert sehr angetan und dankte mit langem Beifall.