Freude über ein Leben in Verbindung mit Gott

Susanne Schlegel (vorne) leitete das Monteverdi-Ensemble. FOTO: FW SIEPMANN

HERNE – In der Herner Christuskirche gab es am 19. Februar ein Konzert mit dem Monteverdi-Ensemble Witten. Die zwölf Sängerinnen und Sänger trugen unter der ausdrucksstarken Leitung von Susanne Schlegel, Altistin und Dozentin an der Siegener Musikhochschule, überwiegend a cappella-Chorwerke der Barockzeit vor. In den Stücken ging es um die Freude des Christen darüber, dass  ein Leben in Verbindung mit Gott innerlich festen Grund schenkt.

Mit einem Chorwerk von Nathaniel Giles, einem englischen Organisten und Komponisten um 1600, begann das Konzert. Der vierstimmige homophone Satz ist eine Art Gebet um die Bewahrung vor allem Unheil. Es schlossen sich zwei Chorwerke von Antonio Lotti an, einem italienischen Komponisten der Bach-Zeit, der in Venedig und Dresden gewirkt hat, in denen Jesus für seine Erlösungstat gelobt wird. Die einzelnen Stimmen sind hier unabhängiger voneinander geführt. Sie entfalten teils lange Linien mit einzelnen Akzenten, teils akkordische Abschnitte mit reizvollen Synkopen, vorzüglich gestaltet von einem sensibel geführten Ensemble. Johann Sebastian Bachs fünfstimmige Motette „Jesu meine Freude“ stand im Mittelpunkt des Konzertes. Bach stellt in diesem Stück den Gegensatz zwischen dem vorherigen Leben des unbekehrten und dem späteren Leben des bekehrten Menschen heraus. Die Fuge in der Mitte der Motette ist der Beginn der Darstellung des neuen Lebens, und Bach wählt ab da neuen Text, wiederholt aber gespiegelt die Teile, teils mit den gleichen Tönen, des ersten Teils der Motette, in der sich Chöre und Choräle regelmäßig abwechseln.

Der kleine Chor gestaltete dieses Werk beweglich und technisch versiert, mit großer Innigkeit trug er die drei- und vierstimmigen Teile vor, dann wieder zu unglaublicher Dramatik bei „Trotz dem alten Drachen“ wechselnd.

Nach einer kleinen Pause schloss sich das deutsche Magnificat von Heinrich Schütz an, ein vierstimmiges Werk, das die tiefe innere Freude Marias darüber zum Ausdruck bringt, dass sie den Heiland gebären wird, der Gerechtigkeit und Frieden bringt. („Die Hungrigen werden satt, aber die Reichen bleiben leer.“) Es gelang dem Chor unter der souveränen Leitung von Susanne Schlegel vom dramatischen, sehr virtuosen Bach wieder zu einem Stil zu finden, der nur von den Sprachakzenten und der wechselnden Dynamik lebt. Mit Mendelssohns Vertonung des 100. Psalms „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ gelang ein krönender Abschluss mit großen dynamischen Unterschieden, abwechslungsreichen Tempi, einem zarten achtstimmigen Mittelteil und der im zuversichtlichen Forte vorgetragenen Aussage „Die Gnade des Herrn währet ewiglich“ im Schlussteil. BW