„Würde des Menschen als oberste Maxime ärztlichen Handelns“

Karola Rehrmann gestaltete den Gottesdienst anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Palliativstation am EvK Herne. FOTO: EVK

HERNE – Vor 25 Jahren gab es in der Region noch kaum jemanden, der mit dem Begriff Palliativmedizin etwas anfangen konnte. Doch Professor Dr. Klaus Hackenberg, damals Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Evangelischen Krankenhaus Herne, war so überzeugt von diesem neuen medizinischen Zweig, dass er mit Unterstützung der Geschäftsführung der Evangelischen Krankenhausgemeinschaft die erste Palliativstation in Westfalen-Lippe eingerichtet hat.

Ein feierlicher Gottesdienst in der Herner Lutherkirche bildete den Auftakt für die Festveranstaltung anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Palliativstation und des 20-jährigen Bestehens des Ambulanten Hospiz- und Palliativdienstes (AHPD). Gestaltet wurde der Gottesdienst von Karola Rehrmann, die als Koordinatorin beim AHPD und als Krankenhausseelsorgerin seit 25 Jahren auf der Palliativstation tätig ist.

Mit Glückwünschen und Danksagungen ging es bei den offiziellen Feierlichkeiten in den Flottmannhallen weiter, veranstaltet vom Förderverein Palliativstation im EvK und AHPD, moderiert von seinem 1. Vorsitzenden, Pfarrer Frank Obenlüneschloß. Eröffnet wurde der Reigen der Glückwünsche und Grußworte durch den Oberbürgermeister der Stadt Herne, Dr. Frank Dudda. Er zollte allen haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden seinen „Respekt für die in den zurückliegenden Jahren geleistete Arbeit und den Optimismus, den sie dabei verbreiten.“

Ingrid Fischbach, Mitglied des Bundestages, hob hervor, wie stolz sie darauf sei, in Berlin von der in ihrer Heimatstadt Herne auf der Palliativstation und im Hospizdienst geleisteten haupt- und ehrenamtlichen Arbeit berichten zu können. Pfarrerin Daniela Fricke überbrachte für die Evangelische Kirche von Westfalen Grüße von Präses Annette Kurschuss. Sie betonte den hohen Stellenwert der Seelsorge mit ihrer Kraft der Gebete und des Segens als ein wichtiges Element der Palliativarbeit. Gerlinde Dingerkus von „Alpha“ (Ansprechstellen des Landes NRW zur Palliativversorgung, Hospizarbeit und Angehörigenbegleitung) zollte vor allem den Ehrenamtlichen Achtung. Ihr Einsatz sei geprägt von einem „tiefen Respekt“ gegenüber den begleiteten Menschen und ihren Angehörigen.

Höhepunkt des Abends war der Festvortrag von Ex-Vizekanzler Franz Müntefering. Er übte offen Kritik an der momentanen gesellschaftlichen Situation, in der es an Bereitschaft mangele, genügend Gelder für eine optimale Versorgung Sterbender zur Verfügung zu stellen. Der Bedarf auf Seiten der Menschen sei hoch, doch werde die Arbeit des entsprechenden Personals noch immer nicht richtig honoriert. Auch fehle es an entsprechenden Angeboten. In der Konsequenz seien viele Heime und Krankenhäuser auf dem Weg, „Hospize light“ zu werden.

Eine Auflockerung bot das Unterhaltungsprogramm der Künstlerin Petra Afonin, die mit viel Gefühl für den richtigen Ton sowohl tief berührende Lieder als auch witzige Eindrücke zum Thema Versorgung alter Menschen, Demenz und Sterbebegleitung präsentierte. Am Klavier begleitet wurde sie dazu von der Pianistin Barbara Hinkelbein.

Den Schlusspunkt setzte Prof. Dr. Klaus Hackenberg, der vor 25 Jahren als Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am EvK die Palliativstation gegründet hatte. Er appellierte an Ärzte und Pflegekräfte, dass sie sich bei ihrer Arbeit stets bewusst sein sollten, einen einzelnen Menschen mit seinen persönlichen Ängsten und Bedürfnissen vor sich zu haben. „Die Würde des Menschen und der Wert menschlichen Lebens müssen oberste Maxime ärztlichen Handelns sein“, so sein eindringlicher Appell.