Gäste erlebten berührende Palliativ-Jubiläumsfeier

Blick ins Publikum. Foto: EVK

Mit einer steifen Festveranstaltung hatten die Jubiläumsfeierlichkeiten der Palliativstation und des Ambulanten Hospiz- und Palliativdienstes am Evangelischen Krankenhaus Herne nicht die entfernteste Ähnlichkeit. Nachdenklich, menschlich, engagiert - so wie die seit 20 bzw. 15 Jahren geleistete Arbeit der beiden Dienste war auch die Veranstaltung in den Flottmannhallen. Im Vordergrund standen sehr persönliche Eindrücke aus der Palliativarbeit sowie beeindruckende Reflexionen zum Thema Ethik am Lebensende.

Es waren Förderer, Kooperationspartner, Mitarbeiter und Ehrenamtliche, die in den Flottmannhallen zusammengekommen waren, um gemeinsam das Palliativ-Jubiläum zu feiern. Sie alle hatten und haben sich seit Jahren dafür eingesetzt, dass unheilbar erkrankte Patienten und Sterbende medizinisch und menschlich eine optimale Betreuung erhalten. Prof. Dr. Klaus Hackenberg, EvK-Chefarzt im Ruhestand und Initiator der Palliativstation, führte durch den Abend.

Glückwünsche und Anerkennung für die geleistete Arbeit sprachen die drei Überbringer der Grußworte aus: Superintendent Reiner Rimkus, Oberbürgermeister Horst Schiereck und Pfarrer Dietrich Büttner, Hospizreferent des Diakonischen Werkes Münster. Allein auf der Palliativstation sind in den vergangenen 20 Jahren 2.500 Patienten betreut worden. Dr. Markus Freistühler, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, zeichnete auf sehr persönlich-menschliche Weise den Weg eines Krebspatienten von dem Zeitpunkt der Diagnostik über die Krebstherapie bis hin zum Aufenthalt auf der Palliativstation nach. Er schloss sein Statement mit einem Dank an alle Haupt- und Ehrenamtlichen.

Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag „Freiheit, Einsicht und Notwendigkeit“ von Pfr. i.R. Udo Schlaudraff, Gründungsmitglied der Akademie für Ethik in der Medizin, der sich mit dem Thema Ethik am Lebensende auseinandersetzte. Er trat dafür ein, dass Ärzte wieder stärker dazu übergehen sollten, die alte Kunst des rechtzeitig Unterlassens gleichrangig neben den richtigen Eingriff zu stellen, um jedem Menschen ein Sterben in Würde zu ermöglichen. Zu einem Sterben in Würde gehöre eine umfassende palliative Versorgung. „Aber wird sind weit davon entfernt, dass die Palliativmedizin als vierte Säule der medizinischen Versorgung etabliert ist“, kritisierte er die mangelnde finanzielle Unterstützung durch Staat und Krankenkassen. Nur  0,01 % der Krankenkassenleistung wird für Palliativmedizin aufgewendet.

Interviews mit ehemaligen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rundeten das Programm des Abends ab. Pfarrer Walter Tschirch, ehemaliger Theologischer Geschäftsführer der Evangelischen Krankenhausgemeinschaft Herne | Castrop-Rauxel, moderierte die sehr berührenden bis vergnüglichen Statements von Doris Trujillo, Dr. Uwe Budde, Elisabeth Kranz, Jörg Hölser und Klaus Reckinger.  Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von dem Becker-Schröder-Schell-Trio und dem Kabarettisten und Songwriter Fred Ape. Ihm gelang es mit viel Einfühlungsvermögen, genau den richtigen (Unterhaltungs)Ton an diesem besonderen Abend zu treffen. AW