Mit Amuletten gegen den Voodoo-Zauber

WAZ-Redakteurin Ute Eickenbusch (rechts) moderierte die Talkrunde mit (von links) Renate Hildburg, Frank Plewka, Regine Reinalda, Gudrun Galster und die Gynäkologin Astrid Platzmann.

WANNE-EICKEL – „In vergangenen Jahren haben wir vor allem Frauen aus Osteuropa beraten, die hier zu Prostitution oder Heirat gezwungen und Opfer von häuslicher Gewalt wurden.“ Das sagte Renate Hildburg, seit neun Jahren Mitarbeiterin in der Fachberatungsstelle für Opfer und Menschenhandel, Zwangsheirat und Häusliche Gewalt, die am 10. November im Stadtteilzentrum Pluto in Wanne-Eickel ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert hat. Heute seien es vor allem Frauen aus Afrika, die als Zwangsprostituierte nach Deutschland geschleust würden. Diese Beobachtung bestätigte Regine Reinalda von der Dortmunder Mitternachtsmission: „Etwa 80 Prozent der Hilfesuchenden kommen aus Afrika, die meisten aus Nigeria.“

Das erzählten die beiden Frauen in einer Talkrunde, die im Mittelpunkt der Jubiläumsfeier stand. WAZ-Redakteurin Ute Eickenbusch moderierte das Gespräch, das Einblick in die Arbeit der Beratungsstelle gab. So berichtete Kriminalhauptkommissar Frank Plewka, dass die Frauen schon in ihren Heimatländern für das Sexgeschäft ausgesucht würden. „Die Organisation ist dort in der Regel fest in Frauenhand“, sagte er und erzählte von den sogenannten Madames, die „geeignete“ Frauen anwerben. Voodoo-Priester würden sie mit einem Zauber belegen, der es ihnen verbiete, zu behaupten, dass sie nicht freiwillig gekommen sind.

EWZ-Leiter Pfarrer Martin Domke mit Renate Hildburg (links) und der ehemaligen Mitarbeiterin Olga Kornev. FOTOS: ARND RÖBBELEN

Viele Frauen würden sich oft erst dann melden, wenn sie in extrem großer Not seien, weil sie Angst vor Abschiebung hätten, berichtete die Rechtsanwältin Gudrun Galster. Es sei  häufig fast unmöglich, ein Aufenthaltsrecht in Deutschland zu erwirken. „Wenn eine Frau sagt, sie sei freiwillig gekommen, haben wir keine Handhabe“, so Plewka. Durch den Einsatz eines echten Voodoo-Amuletts, mit dem die Frauen meinen, vor dem bösen Zauber geschützt zu sein, schaffe es die Polizei mitunter, hinter die ganze Geschichte zu kommen.

Im Eine Welt Zentrum beraten mit Renate Hildburg und Katja Jähnel zwei Hauptamtliche Frauen, die Opfer und Menschenhandel, Zwangsheirat oder Häusliche Gewalt geworden sind. „Darüber hinaus unterstützen uns Ehrenamtliche, was sehr wichtig ist – aber ohne Hauptamtlichkeit geht es nicht“, sagte Pfarrer Martin Domke, Leiter des Eine Welt Zentrums. AR