Höfische Musik aus der Zeit um 1700

Der schwedische Cellist Ludwig Frankmar konzertierte in der Herner Christuskirche. FOTO: FW SIEPMANN

Eine Konzertkritik von Brigitte Wilms

HERNE – Am 17.September hat in der Christuskirche der Petrus-Kirchengemeinde ein Kammerkonzert mit Solosonaten für Barockcello stattgefunden. Ludwig Frankmar spielte Werke von Giovanni Bassano (1558 - 1617), Domenico Galli  (1649–1697) sowie Johann Sebastian Bach (1685-1750), dem letzten bedeutenden Komponisten von Sammlungen mit mehrstimmig angelegter Musik für Soloinstrumente.

Giovanni Bassano war ein italienischer Musiker und Komponist der Venezianischen Schule an der Grenze der Renaissance- zur Barockmusik und gilt als  eine Schlüsselfigur in der Entwicklung des Instrumentalensembles der Basilika St. Markus in Venedig. Schütz lernte bei seinem Aufenthalt in Venedig durch Bassanos Musik den venezianischen Stil kennen, brachte ihn nach Deutschland und entwickelte ihn dort weiter. Bassanos Komposition von 1585, die als erstes Werk erklang,  ist ein meditatives Stück mit wenige Haupttönen, die durch  triolische Linien verbunden waren, das an ornamentierte Gregorianik erinnerte.

Es folgten drei einsätzige Sonaten von Domenico Galli, die nur durch wechselnde Tempi gegliedert waren und Ludwig Frankmar viel Virtuosität abverlangten: Er begeisterte mit einer tollen Trillertechnik, atemberaubend schnellen Akkordfolgen und einer berückend schönen Melodieführung. Domenico Gallis Sammlung von zwölf Sonaten für Violoncello wurde 1691 seinem Arbeitgeber – dem Herzog Francesco II. D’Este von Modena und Reggio – zusammen mit einem von ihm selbst gebauten Violoncello überreicht.

In Bachs sechs Cellosuiten kamen vielfältige Einflüsse und Stilarten des Barock zu Gehör: freie Präludien, französische Ouvertüren, Fugen, Toccaten und diverse Tanzformen im italienischen und französischen Stil, Folgen von Einzelsätzen, die – oft stark stilisiert – auf die modischen Hoftänze der Entstehungszeit und der vorhergehenden Generation anspielen. An den Cellisten stellten sie höchste Anforderungen – sowohl technisch als auch musikalisch: So sagte Pablo Casals über die sechs Suiten: „Sie sind die Quintessenz von Bachs Schaffen, und Bach selbst ist die Quintessenz aller Musik.”

Eine genauere Untersuchung der Instrumente, die zu Bachs Lebzeiten als „Violoncello“ bezeichnet wurden, ergab, dass diese in Größe und Spielweise sehr voneinander abwichen.  Ludwig Frankmar stellte sein fünfsaitiges Instrument von 1756 auf einen Hocker: Einen Stachel  verwendete man erst ab 1850 beim modernen Violoncello. Aus Bachs Sammlung erklangen die Suiten Nr. 3 und 4, für Pfingsten bzw. Trinitatis komponiert, von Frankmar mit viel Hingabe souverän und klangschön vorgetragen. Die fünfte Saite des Instruments hat er dabei nie gespielt, sie wurde jeweils in der passenden Tonart beigestimmt, um den Klang in der Tiefe zu verstärken.

Die Zuhörer hatten dem kunstvollen Spiel des Künstlers konzentriert und vollkommen gefesselt gelauscht, am Ende brach ein nicht enden wollender Beifall aus, der aber nicht mit einer Zugabe belohnt werden konnte, weil der Cellist zum Zug musste. Dieses großartige Konzert mit diesem schwedischen Musiker, ursprünglich Orchestermusiker in Basel, seit vielen Jahren der Barockmusik verschrieben und als Cellist im In- und Ausland berühmt, wird noch lange in Erinnerung bleiben.

 

Der schwedische Cellist Ludwig Frankmar konzertierte in der Herner Christuskirche. FOTO: FW SIEPMANN