Investition in die Ausbildung

Zurzeit warten etwa 150 Schülerinnen und Schüler auf die Fertigstellung des ersten Schulgebäudes in Bukavu. FOTO: EWZ

BUKAVU – Es war buchstäblich auf die letzte Minute. Im Dezember 2010 drohte der CBCA, der Partnerkirche des Kirchenkreises Herne in Bukavu, ein über drei Hektar großes Gelände in bester Lage abgenommen zu werden. Gerne hätten sich einige Leute in der Stadt an diesem Gelände bereichert. Die Grundstückspreise sind in den vergangenen drei Jahren explodiert, jede freistehende Fläche wird genau beobachtet. Wenn nichts geschieht, wird das Gelände „im öffentlichen Interesse“ beschlagnahmt.

Der Kirchenkreis Herne stellte in dieser Lage kurzfristig 20.000 Euro zur Verfügung, um auf dem Gelände eine neue Schule zu errichten. Im Juni konnte sich Pfarrer Martin Domke davon überzeugen, dass ein erdbebensicheres Schulgebäude errichtet worden ist. Da es an einem Steilhang liegt, werden jetzt Jatropha-Pflanzen gesetzt, die eine weitere Erosion vermeiden. Jatropha ist eine Pflanze, die hilft, die Erosion zu bekämpfen, aber auch Blätter hat, die zu Arzneimitteln verabeitet werden können. Die Nüsse geben Öl, mit dem man Feuer machen kann, z.B. zum Kochen. Alles soll in der Schule erlernt werden. Die Schülerinnen und Schüler sind verantwortlich dafür, dass die Pflanzen während der dreimonatigen Trockenzeit gegossen werden.

Das fertig gestellte Gebäude ist der erste Teil eines Schulkomplexes, der auf dem Gelände entstehen soll. Neben sechs Primarklassen sollen sechs Räume für eine Sekundarschule entstehen, dazu ein Kindergarten. Toiletten mit gutem Hygienestandard sind ebenso vorgesehen wie Bürogebäude, Lehrerzimmer, Bibliothek, Computerräume, Seelsorge- und Beratungsraum sowie eine kleine Krankenstation. Die Klassenräume sind größer als der Standard und ermöglichen eine gute pädagogische Arbeit.

Neue Schulen braucht der Kongo dringend, Bukavu ganz besonders. Die Bevölkerung wächst rasant, über 80 Prozent der Menschen sind zwischen zehn und 35 Jahre alt. Wegen der Kriege und der enormen Unsicherheit auf dem Land fliehen die Menschen zu Tausenden in die großen Städte. Die Bevölkerung von Bukavu ist darum in den letzten 15 Jahren um das dreifache angestiegen und liegt jetzt bei etwa einer Million Menschen. „Sollten die Verhältnisse einmal stabil sein, wird auch die Wirtschaftskraft wachsen“, sagte Domke. „Darum muss jetzt in die Ausbildung der Mädchen und Jungen investiert werden.”

Etwa 150 Schülerinnen und Schüler warten darauf, in die neuen Räume umzuziehen. In den nächsten Jahren sollen es 800 werden. Wer das Schulprojekt unterstützen möchte, kann beispielsweise eine Patenschaft für eine Klasse übernehmen. Weitere Informationen gibt es im Eine Welt Zentrum, Telefon (02323) 99 49 70. MD