Leitbild 2015

"Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch.
Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch."
Johannes 20, 21

Gott hat seinen Sohn in unsere Welt gesandt. Jesus Christus erlöst und heilt uns Menschen. Durch seinen Heiligen Geist redet und wirkt er, lädt uns zum Glauben ein und schließt uns als Gemeinschaft zusammen.
Er bindet uns in seinen Auftrag ein und sendet uns, damit wir den Menschen die verändernde Kraft Jesu bezeugen, ihre Nöte wahrnehmen und ihre Lasten mit tragen.
An dieser Sendung Jesu nimmt der Kirchenkreis Herne mit seinen Gemeinden und Fachdiensten teil. In seiner Geschichte ist vieles gewachsen, dem wir uns heute verpflichtet fühlen.

Wir sehen zwar die schmerzhaften Einschnitte, die wir vor- und hinnehmen mussten, aber erkennen sie in  der gegenwärtigen Situation des Umbruchs auch als Chance für eine neue Konzentration und Ausrichtung der Arbeit.
Wir wissen um den gemeinsamen Auftrag und ergänzen einander mit unseren unterschiedlichen Gaben. Wir gestalten unser Miteinander in einer offenen und ehrlichen Atmosphäre und kennen auch Zeiten der Schwachheit, Anfechtung und Situationen des Zwiespalts.
In unseren Gemeinden und Fachdiensten sind wir auf vielfältige Weise für die Menschen in ihrer konkreten Lebenssituation da. Wir bezeugen ihnen das Evangelium in unterschiedlichen Formen und Diensten und stehen ihnen in ihren Nöten bei.

Wir sehen für den Kirchenkreis bis zum Jahr 2015 folgende Herausforderungen:

Christen laden ein zum Glauben

Menschen im Herzen des Ruhrgebietes sind auf der Suche nach Sinn und Halt in ihrem Leben. Für viele wird die soziale und gesellschaftliche Situation schwieriger. Ihnen begegnen vielfältige religiöse oder atheistische Strömungen und anderen Religionen. Traditionelle Kontakte zur christlichen Gemeinde nehmen deutlich ab. Biblische Inhalte sind immer weniger bekannt. So fehlen vielen Menschen Zugänge zum Glauben und zur Gemeinde.

Als lebendige Zeugen gehen wir dorthin, wo sie leben und erzählen von unserem Glauben und laden sie in unsere Gemeinden ein.
In Gottesdiensten unterschiedlicher Gestalt, durch weitere Veranstaltungen, Kultur-, Erziehungs- und Bildungsangebote und bei anderen Begegnungen verkündigen und vermitteln wir in einfacher und verständlicher Sprache die Botschaft von der Liebe Gottes und handeln aus dieser Liebe heraus.

Wir bezeugen unseren Glauben im Wissen um die Treue Gottes zu seinem Volk Israel und die bleibende Verbundenheit der Kirche mit ihm und in friedfertiger Nachbarschaft und im Gespräch mit anderen Religionen, religiösen Strömungen und säkularen Lebensauffassungen.
In unserer Region sind wir besonders zum Dialog mit dem Islam herausgefordert.
Wir begegnen offen der zunehmenden Infragestellung des christlichen Glaubens und suchen die Diskussion mit denen, die uns kritisch gegenüber stehen.

Haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende gemeinsam auf dem Weg

Als Christinnen und Christen leben wir in einer Gemeinschaft, die das Wort Jesu zusammenführt. Wir teilen unseren Glauben miteinander und lassen ihn im Alltag vielfältig Gestalt gewinnen.
Hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bauen gemeinsam Gemeinde Gottes. Alle bringen sich mit ihren Gaben und Kompetenzen in die Arbeit ein. Sie handeln dabei verantwortlich, eigenständig und kooperativ.

Wir schaffen klare Zuständigkeiten und besetzten Aufgaben und Ämter im Rahmen der Kirchenordnung nach Kompetenzen.
Um ehrenamtlich Mitarbeitende wird verstärkt geworben. Das Engagement ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird besonders gefördert.
Sie werden in ihrer Arbeit insbesondere durch hauptamtlich Mitarbeitende fachlich und seelsorgerlich begleitet. Ihnen werden Fortbildungen und Schulungen angeboten. Die gemeinsame Arbeit geschieht im gegenseitigen Respekt, gegenseitiger Wertschätzung und geistlicher Zuwendung.

Gemeinde Jesu verschiedener Konfessionen

In unseren Städten leben Christen in evangelischen, katholischen, freikirchlichen und orthodoxen Gemeinden. Wir erleben weitgehend ein offenes Miteinander mit ihnen. Gute Beziehungen sind gewachsen und gemeinsame Veranstaltungen im Ablauf des Kirchenjahres selbstverständlich geworden.

Wir unterstützen weitere Bemühungen zur Überwindung der Trennung und Schritte auf dem Weg zur Abendmahlsgemeinschaft auf der Grundlage der einen Taufe.
Wir verstärken unsere ökumenischen Kontakte auch im europäischen Kontext, fördern den Dialog über Fragen des Glaubens und nutzen Möglichkeiten gemeinsamen Handelns.
Wir arbeiten darauf hin, gemeinsam Stellung zu relevanten sozialen, gesellschaftlichen und politischen Fragen zu nehmen und christliche Werte in die öffentliche Diskussion einzubringen.
Wir sind dankbar, dass Menschen verschiedener Konfessionen  unsere Fachdienste in Anspruch nehmen und ihre Arbeit unterstützen.

Die Partnerschaft mit der baptistischen Kirche in der Demokratischen Republik Kongo (CBCK) gehört untrennbar zu unserer Arbeit im Kirchenkreis. Die Begegnungen sollen fortgesetzt werden.

Hilfe und Begleitung

Alle Menschen brauchen zu bestimmten Zeiten Hilfe, Begleitung, Befähigung und Ermutigung.

Wir bieten in solchen Situationen Nähe, Beratung, Seelsorge, Lebensorientierung und praktische Hilfe an und gehen mit diesem Angebot auf Menschen zu.
Wir setzen bei haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden sowohl auf fachliche Kompetenz als auch auf die heilenden Kräfte des Evangeliums.
Unsere Beratungs- und Seelsorgedienste tragen gemeinsam mit den Gemeinden Verantwortung für Menschen. Deshalb verstärken sie ihre Beziehungen untereinander. Sie ergänzen einander in ihrer Aufmerksamkeit und Hilfe für die Menschen. Wir wissen uns herausgefordert für Menschen in schwierigen Lebenslagen einzutreten. Insbesondere wenn es für diese sonst kein Hilfsangebot gibt.
Durch unsere Parteinahme in öffentlichen Diskussionen geben wir betroffenen Menschen eine Stimme.

Wachsender Ungerechtigkeit und Armut begegnen

Die soziale Lage vieler Menschen hat sich in den letzten Jahren u. a. durch politische und wirtschaftliche Entscheidungen drastisch verschlimmert. Die sichtbare und versteckte Armut ist speziell im mittleren Ruhrgebiet gravierend gestiegen. Damit zusammenhängend sind die materiellen und psychosozialen Belastungen für die betroffenen Menschen, insbesondere für Kinder und Jugendliche, größer geworden.
Herkunft und Bildung stehen in unserem Land in engem Zusammenhang. Bildungsdefizite führen zu lebenslanger Benachteiligung.
Von Armut betroffene Menschen werden leicht übersehen und in die Sprachlosigkeit gedrängt. Sie sind entmutigt und leben im Elend.

In der Nachfolge Jesu wenden wir uns Armen und Benachteiligten, Hilflosen und Gedemütigten zu.
Fachdienste und Gemeinden engagieren sich stärker sozialpolitisch und übernehmen eine deutliche  Anwaltsfunktion für die Benachteiligten. Sie verbessern ihre sozialdiakonischen Kompetenzen, um betroffene Menschen besser wahrzunehmen und bieten ihnen an, ihren Platz in der christlichen Gemeinschaft einzunehmen.

Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden in der Welt

Weltweit begegnen uns zunehmend soziale Ungerechtigkeit und Unfrieden in vielerlei Gestalt. Wir machen die Verflechtungen zwischen unserem gesellschaftlichen Lebensstil und den globalen Problemen bewusst. Wir nehmen teil an lokalen, nationalen und weltweiten Bemühungen um Gerechtigkeit und Frieden.

Wir fördern Initiativen zur Selbsthilfe, die beispielhaft Wege aus wirtschaftlicher und sozialer Ungerechtigkeit aufzeigen. Wir unterstützen den „Fairen Handel“.

Verantwortung für die natürlichen Lebensgrundlagen

Die unheilvolle Vorrangigkeit der Ökonomie vor der Ökologie hat dazu beigetragen, dass wir heute vor bedrängenden Schwierigkeiten stehen.
Weltweit verlieren viele Menschen ihre Lebensgrundlage.

In der Nachfolge Jesu tragen wir Verantwortung für die Schöpfung Gottes, die er allen Lebewesen als Lebensraum zur Verfügung gestellt hat.
Wir bemühen uns als Einzelne und als Gemeinschaft um einen schöpfungs- bewahrenden Lebensstil und setzen in unserem Umfeld in kleinen, bewussten Schritten Zeichen. Wir verpflichten uns als Gemeinden und Fachdienste, nachhaltige Maßnahmen zu verabreden und ihre Umsetzung zu begleiten.
Wir unterstützen Initiativen, die sich lokal und / oder weltweit einsetzen, Bewusstsein zu verändern, Lebensräume zu erhalten und die Lebensqualität aller Geschöpfe zu verbessern.

Kirchliche Arbeit unter veränderten finanziellen Bedingungen

Kirchliche Arbeit wird aus unterschiedlichen Quellen finanziert. Der Anteil aus Kirchensteuern und öffentlichen Finanzierungen daran wird langfristig sinken.
Unsere Arbeit wird sich dementsprechend verändern.

Wir beschreiten neue Wege der Finanzierung aller unserer Arbeitsbereiche. Wir gehen verantwortlich und transparent mit Geld um.
Wir setzen Prioritäten, die theologisch begründet sind.
Wir bemühen uns verstärkt um alternative Finanzierungsquellen. Wir entwickeln eine Kultur des Spender- und Sponsorendankes.

Schluss

Durch unser Handeln suchen wir den Auftrag Jesu Christi zu erfüllen. Wir vertrauen seinen Verheißungen und bitten Gott, dass er sowohl im Erfolg als auch im Scheitern „das Werk seiner Hände nicht fallen lasse“ (Psalm 138.8).